SpOn 26.01.2026
21:21 Uhr

Minneapolis: Donald Trump berichtet von »sehr gutem« Telefonat mit Gouverneur Tim Walz


US-Präsident Donald Trump beleidigte Minnesotas Gouverneur Tim Walz zuletzt mehrfach öffentlich. Nun schlägt er andere Töne an.

Minneapolis: Donald Trump berichtet von »sehr gutem« Telefonat mit Gouverneur Tim Walz

Donald Trump nannte Tim Walz, den demokratischen Gouverneur des US-Bundesstaats Minnesota, »sehr dumm«, »korrupt« und einen »schrecklichen Gouverneur«. Außerdem warf er Waltz vor, die Menschen in Minnesota zum »Aufruhr« anzustacheln; und die US-Regierung gab ihm eine Mitschuld an der Gewalt in Minneapolis. Dann erschoss ein Mitarbeiter der US-Einwanderungsbehörde ICE in der Stadt den 37-jährigen Demonstranten Alex Pretti. Das Entsetzen ist groß – und nun schlägt Trump versöhnlichere Töne an.

Er habe ein »sehr gutes Telefongespräch« mit Gouverneur Walz geführt und wolle mit ihm zusammenarbeiten, schreibt Trump auf seiner Plattform Truth Social. Trump erklärte, Gouverneur Walz habe ihn angerufen und um Zusammenarbeit gebeten. »Es war ein sehr gutes Telefongespräch, und wir scheinen tatsächlich auf einer Wellenlänge zu sein«, schreibt der US-Präsident.

Zudem kündigte Trump an, seinen Grenzschutzbeauftragten Tom Homan nach Minnesota zu schicken. Er werde ein Gespräch zwischen Homan und Walz veranlassen, damit alle »Kriminellen« in dem Bundesstaat verhaftet würden. Welche Rolle Homan dabei genau haben soll, ist unklar. In einem weiteren Post hatte Trump geschrieben: »Tom ist hart, aber fair und wird direkt an mich berichten.«

Walz spricht von produktivem Gespräch

Walz bestätigte das Gespräch mit Trump und bezeichnete es als »produktiv«. Er verwies auf seinen Gastbeitrag im »Wall Street Journal« , in dem er die US-Regierung kritisiert. So seien Behauptungen der Regierung unkorrekt und Zahlen falsch – etwa, dass sich in den Gefängnissen des Bundesstaates fast 1400 Ausländer befänden – Walz zufolge liegt die Zahl bei etwa 200.

»Jeder möchte, dass unsere Einwanderungsgesetze durchgesetzt werden«, schreibt Walz und fügt an, dass die derzeitigen Maßnahmen in seinem Bundesstaat nicht dazu beitrügen. »Das ist keine effektive Strafverfolgung. Das ist kein Rechtsstaat. Das ist Chaos. Das ist illegal. Und es ist unamerikanisch.«

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Walz hatte nach eigenen Angaben Trump immer wieder aufgefordert, die Situation zu entschärfen, dieser weigere sich aber. Der Gouverneur befürchte, dass der Präsident auf eine Eskalation hoffe, »dass Sie noch mehr Chaos auf Ihren Fernsehbildschirmen sehen, dass Proteste in Ausschreitungen umschlagen und noch mehr Menschen verletzt werde«.

Am Samstagmorgen war der 37 Jahre alte US-Bürger Alex Pretti durch Schüsse von Bundesbeamten in Minneapolis ums Leben gekommen. Zuvor war bereits die 37 Jahre alte US-Bürgerin Renée Good in Minneapolis von ICE-Mitarbeitern getötet worden. Die US-Regierung stellt die tödlichen Schüsse als Selbstverteidigung dar. Videos und Medienberichte widersprechen der Darstellung.

FBI ermittelt laut Weißem Haus

Während Trump sich versöhnlicher gab, setzt das Weiße Haus weiter auf Konfrontation. Der eigentliche Grund für die »Tragödie« in Minneapolis sei der »feindliche Widerstand« der Demokraten gegen Trumps Abschiebepolitik, sagte seine Sprecherin Karoline Leavitt. Es gebe einen »klaren und einfachen Weg zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung«, den Trump mit dem Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, telefonisch besprochen habe. Trump rufe die Verantwortlichen in Minnesota auf, alle »kriminellen illegalen Ausländer« an die Einsatzkräfte auszuliefern.

Die Ermittlungen zu den tödlichen Schüssen in Minneapolis führen laut Weißem Haus die Bundespolizei FBI und eine Strafverfolgungsbehörde innerhalb des US-Heimatschutzministeriums. FBI und die Behörde Homeland Security Investigations (HSI) befragen die Beamten, die an der »bedauerlichen Tragödie« beteiligt waren, wie Regierungssprecherin Leavitt sagte.

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Der Bundesstaat Minnesota, in dem Minneapolis im Norden der USA liegt, hatte die US-Regierung aufgefordert, ihm Zugang zu den Ermittlungen zu gewähren. Mit einer einstweiligen Verfügung eines Gerichts erwirkte der Bundesstaat, dass keine Beweismittel im Kontext der Schussabgabe unter Beteiligung von Bundesbeamten zerstört oder verändert werden.

Wie ist Alex Pretti zu Tode gekommen? Die Darstellung des US-Heimatschutzministeriums weckt Zweifel. Im ganzen Land wächst die Empörung, sogar die mächtige Waffenlobby verlangt Aufklärung. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war das Alter von Renée Good falsch angegeben.

ptz/AFP