Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft schlägt vor, zur Belebung der Wirtschaft auf Urlaub zu verzichten. Nachdem ihre Forderung, einen Feiertag zu streichen, im vergangenen Jahr keinen Erfolg hatte, nennt der Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt in der »Augsburger Allgemeinen« nun Alternativen.
»Man kann einen Tag Urlaub streichen oder an die Tages- und Wochenarbeitszeit rangehen, wie es der Ministerpräsident mit seinem Vorstoß einer Stunde Mehrarbeit pro Woche berechtigterweise vorgeschlagen hat«, betonte er. Gemeint ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der vor einigen Tagen gesagt hat: »Eine Stunde Mehrarbeit in der Woche würde uns enorm viel Wirtschaftswachstum bringen und ist wirklich nicht zu viel verlangt.«
Weniger Feiertage, mehr Wachstum? Zweifel an der Logik
Brossardt gibt auch einen Eindruck, wie hoch das Potenzial dabei ist: Im laufenden Jahr erwarte man allein durch den Effekt, dass drei Feiertage auf ein Wochenende fallen, 0,2 Prozentpunkte zusätzliches Wachstum, sagte er der Zeitung.
Im Gegensatz zur Streichung eines gesetzlichen Feiertags sind Dinge wie ein Urlaubstag weniger oder eine Stunde pro Woche mehr allerdings sehr viel komplizierter zu regeln. In der Regel werden diese Werte durch Tarifverträge bestimmt. Auch Brossardt sagte dies im Interview. Eine solche Regel müsste demnach ausgehandelt werden.
Dass die Gewerkschaften als Verhandlungspartner eine solche Änderung in den Tarifverträgen einfach akzeptieren, ist sehr unwahrscheinlich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bayern hatte erst im Herbst gefordert, Feiertage, die auf das Wochenende fallen, nachzuholen – was in die gegenteilige Richtung gehen würde.
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Einzelne zusätzliche Arbeitstage werden in ihrer volkswirtschaftlichen Wirkung überbewertet, hält das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung solchen Vorschlägen entgegen. Es wies in einer Analyse darauf hin, dass sich in vielen Fällen jene Bundesländer besser entwickelt haben, in denen Feiertage beibehalten wurden oder neu hinzukamen. »Die Gleichung: Wenn Feiertage wegfallen, steigt das Wachstum, geht offensichtlich nicht auf«, folgert Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. So habe laut dem DGB auch die Abschaffung des Buß- und Bettags als gesetzlicher Feiertag im Jahr 1995 »keinen nennenswerten Effekt« auf die Wirtschaft gehabt.
Tatsächlich haben unter den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg die meisten Feiertage. In Augsburg, wo das Interview Brossardt erschienen ist, gibt es sogar einen mehr als im übrigen Bayern.
Zur aktuellen Teilzeitdebatte äußerte sich Brossardt differenzierter: »Wer Kinder erzieht oder Angehörige pflegt, hat einen guten Grund, in Teilzeit zu gehen. Das gehört sich so und das steht auch gar nicht zur Debatte«, sagte er. »Einen Anspruch auf Teilzeit halte ich aber für falsch. Es muss den Unternehmen und ihren Beschäftigten überlassen bleiben, Absprachen zu treffen.«
