Vor der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises im vergangenen Oktober gab es nur eine Person, die Anspruch auf die Ehrung erhob: Donald Trump. Mehrfach erklärte der US-Präsident, dass er die Auszeichnung verdient habe. Alles andere wäre »eine Beleidigung« für die Vereinigten Staaten, sagte er etwa Ende September vor US-Militärvertretern auf dem Stützpunkt Quantico. Trump begründete seinen Anspruch mehrfach damit, dass er »sieben Kriege« beendet habe. An dieser Sichtweise gibt es zumindest Zweifel .
Allein: Trump ging leer aus, stattdessen wurde die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Die Enttäuschung im Weißen Haus war groß. An diesem Donnerstag folgte dann eine ungewöhnliche Wendung.
Machado war zu Besuch bei Trump in Washington, es ging bei dem nicht öffentlichen Treffen um die Zukunft Venezuelas. Dabei überreichte Machado nach eigenen Angaben die Nobelpreismedaille an Trump. Dies sei in Anerkennung seines Engagements für die Freiheit des venezolanischen Volkes geschehen. Machado äußerte sich nach dem Treffen der beiden nicht dazu, ob Trump ihr Geschenk angenommen hat. Stunden später äußerte sich dann Trump selbst auf seiner Plattform Truth Social. Es sei eine »große Ehre« gewesen, Machado zu treffen, schreibt der US-Präsident in seinem Eintrag . Machado sei eine »wunderbare Frau«. Sie habe ihm ihren Nobelpreis für seine Arbeit geschenkt. »Was für eine wundervolle Geste gegenseitigen Respekts. Danke, Maria!«
Machado kämpft um ihre künftige Rolle in Venezuela
Der Vorgang hat eine längere Vorgeschichte: Machado hatte ihren Preis Trump gewidmet (mehr dazu hier). Sie kämpft um ihre künftige Rolle in Venezuela, wo Trump Anfang des Jahres den autoritären Machthaber Nicolás Maduro und dessen Frau mit Militärgewalt in Gewahrsam nehmen und in die USA bringen ließ, wo ihnen Drogenschmuggel vorgeworfen wird.
Trump hatte bisher gesagt, Machado habe nicht den nötigen Rückhalt und Respekt in Venezuela, um das Land zu führen. Die USA setzen aktuell auf Maduros Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die den Spitzenposten übernahm. Ob Machado den US-Präsidenten mit der Übergabe der Nobelpreismedaille umstimmen will, ist offen – ganz abwegig ist dies aber nicht. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, teilte jedoch noch während des Treffens mit, Trump bleibe bei seiner Einschätzung, dass Machado kurzfristig nicht die nötige Unterstützung habe, um das Land zu führen.
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»Es wäre eine große Ehre«, sagte Trump zuletzt
Machado hatte zuletzt bereits angedeutet, sie könne sich eine Weitergabe der Auszeichnung an Trump vorstellen. Der Republikaner fand die Idee offenbar ziemlich gut: »Ich habe gehört, dass sie das tun will, es wäre eine große Ehre«, sagte Trump vergangene Woche im Weißen Haus zu Fox-News-Moderator Sean Hannity. Es sei ohnehin »eine große Schande für Norwegen«, wo der Friedensnobelpreis verliehen wird, dass er die Auszeichnung nicht gleich erhalten habe. Mehrere Medien, darunter die »New York Times« und »USA Today« berichten über das Interview.
Das Nobelinstitut sah sich zuletzt zu einer Mitteilung genötigt, dass ein Nobelpreis weder widerrufen, geteilt noch auf andere übertragen werden könne. Sobald die Bekanntgabe erfolgt sei, sei die Entscheidung endgültig. Nobelpreis-Gewinner erhalten neben einer Urkunde auch eine goldene Medaille.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Texts hieß es, dass der Friedensnobelpreis im vergangenen Oktober verliehen worden sei. Tatsächlich wurde damals lediglich die Preisträgerin bekannt gegeben.
