Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, 58, ist zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten. In der Nacht zu Donnerstag zeigte sie sich auf einem Balkon des Grand Hotel in der norwegischen Hauptstadt Oslo – dort übernachten üblicherweise die Preisträgerinnen und Preisträger der Nobelpreise. Machado winkte mehrere Minuten lang in die Menge und wurde von zahlreichen Schaulustigen bejubelt. Danach begrüßte sie auf der Straße ihre Anhängerinnen und Anhänger.
Am Donnerstag soll Machado das norwegische Parlament besuchen und Regierungschef Jonas Gahr Störe treffen. Beide wollen gegen 10.15 Uhr eine gemeinsame Pressekonferenz geben.
Machado mit Unterstützern in Oslo
Foto:Odd Andersen / AFP
Machado war mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden – für »ihren unermüdlichen Einsatz für die demokratischen Rechte des venezolanischen Volkes und für ihren Kampf für einen gerechten und friedlichen Übergang von Diktatur zur Demokratie«. Zur Verleihung am Mittwoch schaffte sie es allerdings nicht rechtzeitig. Den Preis nahm stellvertretend für sie ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado entgegen.
Was Machado mit ihrer Reise nach Norwegen riskiert
Die aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort lebende Machado gilt als einende Kraft der Opposition in Venezuela und entschiedene Widersacherin des seit 2013 autoritär regierenden Nicolás Maduro. Zuletzt war sie am 9. Januar öffentlich gesehen worden, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.
Mit der Reise nach Oslo riskiert Machado schwerwiegende Folgen bei ihrer Rückkehr in die Heimat: Die venezolanische Staatsanwaltschaft hatte damit gedroht, Machado aufgrund verschiedener Ermittlungen gegen sie als flüchtig zu betrachten, sollte sie das Land verlassen. Ihr drohen damit möglicherweise die Festnahme oder ein Einreiseverbot – was wiederum weitreichende Folgen für die Opposition mit sich bringen könnte.
Für Machados persönliche Sicherheit sind die Risiken der Reise ebenfalls immens. »Das Regime ist sehr deutlich geworden«, hatte Machado zuletzt in einem Videointerview mit dem norwegischen Rundfunksender NRK gesagt. »Maduro hat gesagt, dass sie mich töten werden, wenn sie mich erwischen.«
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Medienberichten zufolge war sie nun von Venezuela zunächst per Boot auf die Karibikinsel Curaçao gebracht worden und dann mit einem Privatflugzeug über die USA nach Norwegen geflogen.
María Corina Machado verteidigt eine Intervention der USA in Venezuela. Damit entzweit sie auch die Gegner von Machthaber Nicolás Maduro. Mehr dazu lesen Sie hier .
