SpOn 13.01.2026
09:31 Uhr

Mannheim: Lebensmittelproduzent Wacker stellt im Prozess gegen Ritter Sport auf »Klageriegel« um


Ritter Sport geht vor Gericht gegen einen quadratischen Haferriegel aus Mannheim vor. Hersteller Wacker produziert diesen nun vor der Urteilsverkündung vorübergehend als Rechteck – mit einer Spitze gegen den Kläger.

Mannheim: Lebensmittelproduzent Wacker stellt im Prozess gegen Ritter Sport auf »Klageriegel« um

Im Rechtsstreit mit Ritter Sport um einen quadratischen Haferriegel hat der Mannheimer Hersteller Wacker das Sortiment verändert. Kurz vor einer Entscheidung des Landgerichts Stuttgart am Dienstagnachmittag hat die Firma verkündet, das quadratische Produkt vorübergehend durch einen klassischen Riegel mit dem Namen »Monnemer Klageriegel« ersetzen zu wollen. Hintergrund ist die Sorge vor Schadensersatzforderungen, wie Wacker der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Zuvor hatte der »Mannheimer Morgen« berichtet.

In dem Verfahren am Landgericht geht es um eine Klage des Schokoladenherstellers Ritter Sport gegen die Firma Wacker und deren Produkt »Monnemer Quadrat Bio«.

Ritter Sport fordert Rückruf

Ritter Sport aus dem schwäbischen Waldenbuch sieht durch den Riegel seine seit 1996 geschützte dreidimensionale Marke bedroht. Das Unternehmen fordert unter anderem, dass Wacker die bislang verwendete Verpackung nicht weiter nutzen und bereits ausgelieferte Ware zurückrufen soll.

In einem Instagram-Video erklärt Geschäftsführer Matteo Wacker das Vorgehen der Firma. »Wir ziehen das durch und stehen für unser Recht ein«, sagte Wacker. »Und natürlich stellen wir, wenn wir gewonnen haben, wieder um, denn Mannheim ist ja die Quadratestadt.«

Wacker ist ein kleines Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern. Die Verpackung des quadratischen Haferriegels ist nach eigenen Angaben von der Mannheimer Innenstadt inspiriert, die in Quadraten angeordnet ist. Sie erinnert aber auch an die quadratische Ritter-Sport-Tafel – obwohl sie kleiner als die klassische 100-Gramm-Version ist und die Seitenlaschen länger sind.

Schokoladenhersteller droht Niederlage in erster Instanz

In erster Instanz droht Ritter Sport eine Niederlage vor Gericht. Denn nach der vorläufigen Einschätzung der zuständigen Kammer liegt weder eine Verwechslungsgefahr noch Rufausbeutung vor. Der Vorsitzende Richter Thomas Kochendörfer hatte bei der mündlichen Verhandlung gesagt, dass das Gericht deshalb dazu tendiere, die Klage abzuweisen.

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Ritter-Sport-Anwalt Andreas Schabenberger widersprach der Auffassung der Kammer während der Verhandlung deutlich – und kündigte an, den Rechtsstreit fortzusetzen, falls Wacker an der quadratischen Form des Riegels festhalten sollte. Ritter Sport hatte in früheren Fällen – unter anderem im langjährigen Verfahren gegen Milka – seine Formmarke erfolgreich durchgesetzt.

Wegen der verhärteten Fronten hatte das Gericht während der Verhandlung einen Vergleich ins Spiel gebracht. Nach Auffassung der Kammer könnte sich der Rechtsstreit nach der Entscheidung am Dienstag noch jahrelang hinziehen. Gespräche über einen Vergleich, der etwa Änderungen an der Verpackung umfasst, waren bisher aber ergebnislos verlaufen.

kko/dpa