Der frühere US-Botschafter Großbritanniens, Peter Mandelson, gibt wegen seiner Verbindungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seinen Sitz im Oberhaus ab. »Das Parlament ist heute von Lord Mandelson über seine Absicht informiert worden, sich zurückzuziehen«, teilte der Sprecher des House of Lords, Michael Forsyth, mit. Mandelson scheide am Mittwoch aus. In einem Interview mit der »Times« hatte er kurz zuvor noch von einem möglichen »Neuanfang« gesprochen .
Ein Regierungssprecher hatte Anfang der Woche mitgeteilt, dass Premierminister Keir Starmer die Vorbereitung eines Gesetzes angeordnet habe, um Mandelson seinen Sitz im House of Lords abzuerkennen. Zudem werde die Regierung bei polizeilichen Ermittlungen zu der Frage kooperieren, ob Mandelson womöglich Epstein über vertrauliche Regierungsgeschäfte informiert habe.
EU geht ebenfalls gegen Mandelson vor
Die EU kündigte zudem eine Überprüfung möglicher Verstöße gegen ihren Verhaltenskodex an, da Mandelson von 2004 bis 2008 EU-Handelskommissar war. Die Kommission werde bewerten, ob »möglicherweise Verstöße gegen die entsprechenden Vorschriften in Bezug auf Peter Mandelson vorliegen«, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel.
Mandelson und Jeffrey Epstein auf einem undatierten Bild
Foto: Department Of Justice / ZUMA Press Wire / IMAGOMandelson war im September 2025 bereits wegen der Enthüllungen im Zusammenhang mit den Epstein-Akten von seinem Posten als britischer Botschafter in den USA abgesetzt worden. Grund waren damals bekannt gewordene E-Mails des Briten an Epstein.
Den nun neu veröffentlichten Dokumenten zufolge soll der ehemalige Labour-Politiker, der inzwischen aus der Partei austrat, Anfang der Nullerjahre mehrfach Geld von Epstein erhalten haben. Weitere Dokumente sollen Überweisungen Epsteins an Mandelsons Lebenspartner Reinaldo Avila da Silva belegen. Mandelson war zum damaligen Zeitpunkt Minister. Er zählt zu den einflussreichsten Politikern Großbritanniens und galt als einer der wichtigsten Berater des früheren Labour-Regierungschefs Tony Blair.
Mandelson soll Epstein vorab über Euro-Rettungspaket informiert haben
Laut britischen Medien könnte Mandelson mit seinen Mails Epstein vorab über geplante Maßnahmen zur Eurorettung in der Finanzkrise 2010 informiert haben. Diese waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich angekündigt. Zudem stellte er offenbar in Aussicht, sich intern »sehr« dafür einzusetzen, die Regeln für Bonuszahlungen an Banker zu ändern.
Dem bis in höchste Kreise international vernetzten Finanzberater und Millionär Epstein wurde vorgeworfen, in der Vergangenheit mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Epstein war bereits 2008 verurteilt worden, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis.
2019 wurde Epstein unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat nach seiner Festnahme wurde der 66-Jährige erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.
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Wegen des Skandals waren in den vergangenen Tagen weltweit Politiker, Adlige und andere einflussreiche Persönlichkeiten in die Kritik geraten, die mit Epstein zu tun hatten. Unter ihnen sind etwa Bill und Hillary Clinton, Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit ebenso wie der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon.
