SpOn 19.11.2025
15:37 Uhr

Magdeburg: Was ehemalige Kolleginnen vor Gericht über den Todesfahrers sagen


Beim Prozess gegen Taleb Al Abdulmohsen berichten Zeugen über die Zusammenarbeit mit dem späteren Attentäter. Es habe Fragen zu seiner fachlichen Eignung als Arzt gegeben.

Magdeburg: Was ehemalige Kolleginnen vor Gericht über den Todesfahrers sagen

»Wenig kommunikativ und wenig engagiert«: So haben ehemalige Kolleginnen vor Gericht den Mann beschrieben, der einen Wagen in eine Menschenmenge auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt lenkte: Taleb Al Abdulmohsen. Bevor er zum Attentäter wurde, arbeitete er als Arzt im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter. Aus Sicht der späteren therapeutischen Leiterin, die ihn seit der Einstellung 2020 kannte, war er bei Teamsitzungen eher passiv und lieferte wenig fachlichen Input. Es habe Fragen zu seiner fachlichen Eignung gegeben.

Sie habe sich entschlossen, Al Abdulmohsen nicht in der psychotherapeutischen Arbeit einzusetzen, er habe auch keine Einzelpatienten behandelt, sagte die Psychologin. »Er wirkte wenig interessiert an therapeutischen Themen.« Er habe mehr über Abläufe in Saudi-Arabien gesprochen und weniger über die Krankheitsbilder der Patienten. Al Abdulmohsen sei mit Blick auf Krankmeldungen unzuverlässig gewesen. Mitunter hätten die Kollegen auf den Stationen bis Mittag nicht von Krankmeldungen gewusst.

In der Klinik hätten Kollegen den Psychiater an Aufgaben erinnert. Einige Patienten hätten sich nicht von Al Abdulmohsen behandeln lassen wollen. Die leitende Psychologin sagte zum Angeklagten: »Es wurde das Vertrauen in deine medizinische Behandlung moniert und hinterfragt«.

Angeklagter nennt Aussagen »eine Art von Racheaktion«

Al Abdulmohsen stellte – wie auch bei bisherigen Zeugen im Prozess – eine Reihe von Fragen an die Zeugin. »Das ist eine Art von Racheaktion«, sagte der 51-Jährige zum Gericht über die Zeugenaussage. Eine Krankenschwester sagte in Richtung des Angeklagten: »Auch wenn Sie da waren, waren Sie nie pünktlich.« Man habe ihm immer hinterhertelefonieren müssen. Wegen unterschiedlicher medizinischer Ansichten bei der Behandlung von Patienten habe sie mehrfach andere Ärzte hinzugezogen.

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Der Angeklagte widersprach auch ihr mehrfach mit Nachdruck und wurde vom Vorsitzenden Richter gebremst, er möge bei Fragen bleiben. Al Abdulmohsen sagte, seine Kollegen würden nun wegen seiner Tat übertreiben.

Am 20. Dezember 2024 raste Al Abdulmohsen mit einem 340 PS starken Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Es starben sechs Menschen, mehr als 300 werden verletzt. Al Abdulmohsen hat die Tat gestanden.

Eine Rekonstruktion der Tat und warum sein Hass kein Geheimnis war, lesen Sie hier .

jml/dpa