Gut ein Jahr nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt sind beim Landesverwaltungsamt mehr als 450 Entschädigungsanträge eingegangen. Wie das Sozialministerium von Sachsen-Anhalt mitteilte , beantragten Betroffene vor allem psychologische und medizinische Hilfe.
In 146 Fällen ging es um psychotherapeutische Behandlungen in einer Traumaambulanz. Außerdem wurden 691 Leistungen der Krankenbehandlung – etwa stationäre Aufenthalte, Medikamente oder Psychotherapien – sowie 123 Leistungen der Teilhabe erbracht. Letztere werden gewährt, damit Betroffene weiterhin am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, sie umfassen etwa Fahrdienste oder berufliche Umschulungen.
Dreimal übernahm das Land den Angaben zufolge Bestattungskosten, in sechs Fällen erhielten Hinterbliebene Gelder. Zudem werden einige Betroffene finanziell entschädigt: Laut Ministerium bekommen 56 Personen monatlich 434 Euro und eine Person 686 Euro.
Über das Soziale Entschädigungsrecht haben Betroffene von Gewalttaten im Inland Anspruch auf entsprechende Leistungen. Es geht um geschädigte Menschen, Hinterbliebene oder Angehörige der Opfer sowie nahestehende Personen. Für Betroffene der Todesfahrt von Magdeburg ist es weiterhin möglich, Anträge zu stellen.
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Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres war ein 51 Jahre alter Arzt aus Saudi-Arabien, der seit 2006 in Deutschland lebt, mit einem Auto über den Weihnachtsmarkt gerast. Sechs Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt. Sie kamen aus fast allen Bundesländern sowie aus dem Ausland. Der Täter steht derzeit vor Gericht, ist wegen eines Hungerstreiks aber verhandlungsunfähig.
Unter den Opfern des Anschlags war auch der neunjährige André aus Niedersachsen. Dessen Mutter sagte vor Gericht aus, sie wolle ihrem Sohn »eine Stimme geben«. Was sie erzählt hat, lesen Sie hier.
