Menschen können beeinflussen, was sie träumen – und dadurch im Schlaf kreative Lösungen für Probleme finden, die sie tagsüber beschäftigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Neurowissenschaftlern der Northwestern University im US-Staat Illinois, die in der Fachzeitschrift »Neuroscience of Consciousness« erschienen ist.
Im Schlaflabor setzte das Team um Postdoktorandin Karen Konkoly und Psychologieprofessor Ken Paller auf eine Methode namens Targeted Memory Reactivation (TMR, gezielte Gedächtnisreaktivierung). Den Teilnehmern der Studie wurden während der Schlafphasen mit schnellen Augenbewegungen (Rapid Eye Movement, REM) Geräusche vorgespielt, die sie an frühere Versuche erinnerten, ein bestimmtes Rätsel zu lösen. Drei Viertel der Probanden hatten laut der Studie Träume, die Ausschnitte aus den betreffenden Rätseln oder Ideen dazu enthielten. Solche Rätsel konnten sie anschließend zu 42 Prozent lösen. Bei anderen Rätseln, über die zu träumen nicht angeregt wurde, waren es hingegen nur 17 Prozent.
Dieser Befund allein liefere noch keinen schlüssigen Beweis dafür, dass Träumen beim Lösen von Problemen hilft, schränkten die Forschenden ein. Auch andere Faktoren wie die Neugier könnten eine Rolle spielen. Die Studie belege aber, dass sich das Träumen bewusst steuern lasse. Und sie sei ein wichtiger Schritt zum Verständnis, welchen Nutzen Träume fürs Gehirn haben können.
Wirkung auch ohne Klartraum
Die zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden vorab nach ihrer Erfahrung im sogenannten luziden oder Klarträumen ausgewählt – also dem Zustand, sich während des Traums bewusst zu sein, dass man träumt. Nach ihrer Ankunft im Schlaflabor versuchten die Teilnehmer, innerhalb eines Zeitlimits von drei Minuten pro Rätsel eine Reihe von Denksportaufgaben zu lösen. Jedes Rätsel hatte seinen eigenen, einzigartigen Soundtrack. Da die Lösungen schwer zu finden waren, blieben die meisten Rätsel ungelöst. Anschließend führte das Forschungsteam polysomnographische Aufzeichnungen durch, um die Physiologie der Teilnehmer während ihres Schlafs über Nacht zu messen.
Während der REM-Schlafphasen präsentierten die Wissenschaftler Soundtracks von der Hälfte der ungelösten Rätsel, um diese gezielt zu reaktivieren. Einige Teilnehmer zeigten vor dem Schlafengehen vereinbarte Signale wie etwa Schnüffelgeräusche durch Ein- und Ausatmen, die zeigten, dass sie die präsentierten Hinweise wahrgenommen und in ihren Träumen an den entsprechenden Rätseln gearbeitet hatten. Nach dem Aufwachen berichteten die Teilnehmer den Forschern von ihren Träumen.
Hauptautorin Karen Konkoly sagte, die größte Überraschung der Studie sei das Ausmaß gewesen, in dem die Signale auch nicht klare Träume beeinflussten. »Selbst ohne Klartraum bat eine Träumerin eine Traumfigur um Hilfe beim Lösen des von uns vorgegebenen Rätsels. Eine andere Träumerin erhielt das Rätsel mit den Bäumen und wachte mit dem Traum auf, durch einen Wald zu wandern. Wieder eine andere Träumerin erhielt ein Rätsel über Dschungel und wachte aus einem Traum auf, in dem sie im Dschungel fischte und über dieses Rätsel nachdachte«, sagte Konkoly. »Diese Beispiele waren faszinierend, da sie zeigten, wie Träumende Anweisungen befolgen können und wie Träume durch Geräusche im Schlaf beeinflusst werden können, selbst ohne Klartraum.«
Als nächste Schritte wollen die Forschenden ihre Methoden anwenden, um weitere vermutete Funktionen des Träumens zu untersuchen, wie etwa die Emotionsregulation und das allgemeine Lernen.
