Die Lufthansa ist nach dem Krisenjahr 2024 bei der Verbesserung des Gewinns vorangekommen. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg um 19 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Bei einem Rekordumsatz von 39,6 Milliarden Euro (plus fünf Prozent) legte die Rendite um einen halben Prozentpunkt auf 4,9 Prozent zu. »Unser Ergebnis zeigt die Resilienz und Stabilität der Gruppe«, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Vorbörslich lagen die Lufthansa-Aktien mehr als drei Prozent im Plus.
Der Irankrieg, der den boomenden Flugverkehr auf der arabischen Halbinsel lahmlegt und Hunderttausende Europäer stranden ließ, verdeutliche, wie verwundbar die Luftfahrt bleibe, erklärte Spohr, der die Airline-Gruppe seit mehr als einem Jahrzehnt führt und schon einige Krisen bewältigen musste. Die Lufthansa hat gegen die Konkurrenten vom Golf – Emirates, Etihad und Qatar Airways – in den vergangenen Jahren Marktanteile vor allem bei Asien-Flügen verloren. »Die massive Bündelung globaler Verkehrsströme über die Golf-Drehkreuze erweist sich zunehmend als geopolitische Achillesferse«, warnte der Lufthansa-Chef, der oft den unfairen Wettbewerb durch die subventionierten Rivalen kritisiert.
Optimistische Prognose
Der vor einer Woche von den USA und Israel begonnene Krieg gegen Iran könnte auch die Prognose der Lufthansa-Gruppe ins Wanken bringen. Der Konzern erwartet in diesem Jahr ein Ergebnis deutlich über Vorjahresniveau, weist aber auf die Unsicherheit durch die Lage in Nahost hin. Der Krieg führt zu Flugausfällen und steigenden Treibstoffkosten, wobei die Lufthansa mit 80 Prozent ihres Bedarfs für 2026 einen hohen Anteil mit Termingeschäften gegen Preisanstieg abgesichert hat. Die Airline könnte auch von den weitgehenden Flugbeschränkungen für die Golf-Carrier profitieren, weil Fluggäste, die nach Asien und Afrika fliegen wollen, vermehrt bei der Lufthansa-Gruppe buchen könnten.
Weniger Ausfälle und Verspätungen von Flügen durch betriebliche Probleme und Streiks drückten 2025 die Kosten für Fluggastentschädigungen um 40 Prozent auf rund 480 Millionen Euro. Niedrigere Treibstoffkosten verbesserten die Ertragslage um eine halbe Milliarde, außerdem gab es nicht die hohen Streikkosten des Vorjahres. Eine schwächere Nachfrage und niedrigere Preise auf den lukrativen Transatlantikstrecken im dritten Quartal belasteten andererseits, insgesamt waren die Ticketpreise unter Druck. Nach dem jüngsten Buchungsstand liegen die Buchungen von USA-Reisen aus Deutschland 30 Prozent unter Vorjahr, weil die politische Entwicklung und verschärfte Einreisekontrollen abschrecken.
Unter dem Strich fiel der Gewinn der Lufthansa mit 1,34 Milliarden Euro drei Prozent geringer aus als im Vorjahr, was der MDax-Konzern mit Steuereffekten erklärte. Die Dividende für das abgelaufene Jahr soll dennoch mit 33 Cent je Anteilsschein etwas ansteigen.
Die schwächelnde Kernmarke Lufthansa Airlines konnte sich verbessern und erzielte nach Verlust im Vorjahr eine Rendite von knapp einem Prozent. Einen Beitrag dazu leistete die Erneuerung der Flotte und die Modernisierung der Innenausstattung mit komfortableren Sitzplätzen des Allegris-Programms. Auch Zusatzleistungen wie das Buchen bestimmter Sitze und Extraservice steigerten den Erlös. Seit Ende 2024 läuft ein weiteres Sanierungsprogramm, mit dem das Ergebnis bis 2028 um 2,5 Milliarden Euro brutto verbessert werden soll. »Das Turnaround-Programm von Lufthansa Airlines hat weiterhin höchste Priorität«, sagte Spohr. Nach operativer Verbesserung soll Lufthansa Airlines 2026, im 100. Jahr seit der Firmengründung, wirtschaftlich vorankommen.
Der Stückkostenanstieg des Konzerns, zu dem auch die Fluggesellschaften Swiss, Brussels und Austrian Airlines oder der Ferienflieger Eurowings gehören, soll in diesem Jahr weiter gedrückt werden auf ein Prozent von zuletzt zwei Prozent.
