Gil Ofarim, Musiker:
»Und dann sagt der Herr W. ›packen Sie Ihren Stern ein.‹«
Trotz starker Kritik im Vorfeld konnte er offenbar das Fernsehpublikum von sich überzeugen. Gil Ofarim wurde zum Dschungelkönig gewählt. Im Camp wurde er immer wieder von anderen Kandidaten auf seinen Davidstern-Skandal angesprochen.
Gil Ofarim, Musiker:
»Wirklich?‹«
Klar äußern wollte sich Ofar im jedoch nicht. Was genau war damals in Leipzig passiert? Der Spiegel hat den Fall eng begleitet.
Peter Maxwill, DER SPIEGEL:
»Mein Name ist Peter Maxwell, ich bin Korrespondent für den Spiegel in Leipzig und ich habe gemeinsam mit Kollegen 2021 monatelang zum Fall Ophariem recherchiert. Das Ergebnis damals, Ofarim hat gelogen.«
Anfang Oktober 2021 veröffentlichte der Schauspieler und Musiker Gil Ofarim ein Video auf Instagram. Auf dem Gehsteig vor dem Hotel »Westin« in Leipzig schildert er, wie er versucht habe, dort einzuchecken. Dann aber seien Menschen, die hinter ihm in der Schlange standen, von einem Hotelangestellten vorgelassen worden. Es sei zum Streit gekommen. W. habe Ofarim aufgefordert, seine Kette mit Davidstern zu verstecken, bevor er einchecken dürfe. Der SPIEGEL konnte Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft und einer Wirtschaftskanzlei einsehen. Zudem konnten wir die Aufnahmen der Überwachungskameras und zwei videoforensische Gutachten auswerten.
Peter Maxwill, DER SPIEGEL:
»Man sieht schon auf den Videos der Überwachungskameras von dem Abend zum Beispiel, wie voll die Lobby damals war. Das heißt, diesen angeblichen antisemitischen Ruf, von dem Ofarim damals erzählt hat, den hätten dutzende Menschen hören können, sogar müssen. Aber man sieht auf den videos nicht, dass sich irgendjemand umdreht. Und dann gibt es von mehr als 30 Zeugen, die gefragt wurden, auch nur einen einzigen, der diesen Stern bei Ofarim gesehen haben will. Und die Videoforensiker legten sich dann später auch daraufhin fest, dass der Davidstern an seiner Kette im Hotel nicht zu sehen war an dem Abend.«
Direkt nach dem Vorfall zeigt er den Hotelmitarbeiter W. wegen Volksverhetzung an. Der wiederum erstattete Anzeige gegen den Musiker wegen Verleumdung. Vor Gericht gestand Ofarim schließlich in knappen Sätzen und entschuldigte sich.
Peter Maxwill, DER SPIEGEL:
»Er wurde ebenso wenig freigesprochen, wie er verurteilt wurde, weil das Verfahren unter Auflagen eingestellt wurde. Er ist also nicht vorbestraft, das stimmt schon, aber er ist auch nicht freigesprochen und gelogen hat er ja damals trotzdem. Also was man weiß, ist, dass Ofarim eine Unterlassungserklärung unterschrieben hat. Das ist keine Verschwiegenheitserklärungen, sondern er hat sich verpflichtet, seine Vorwürfe von damals nicht zu wiederholen.«
Zudem müsse der Musiker laut seinem Anwalt 20.000 Euro Schmerzensgeld an den damaligen Hotelmitarbeiter zahlen.
Peter Maxwill, DER SPIEGEL:
»Der hat an dieser ganzen Sache ziemlich lange zu knapsen gehabt und ziemlich deutlich gemacht, wie sehr ihn das wurmt, dass er erneut nicht als Opfer dasteht, sondern möglicherweise als jemand, der eher auf die Seite der Täter gehört. Und das ist für ihn natürlich sehr frustrierend.«