SpOn 09.12.2025
11:21 Uhr

Litauen verhängt Ausnahmezustand wegen Schmuggelballons aus Belarus


Immer wieder stören Schmuggelballons aus Belarus den Flugverkehr in Litauen. Die Regierung spricht von »hybriden Angriffen«, Behörden zufolge werden manche Ballons gezielt in die Flugbahnen geschickt.

Litauen verhängt Ausnahmezustand wegen Schmuggelballons aus Belarus

In Litauen kommt es immer wieder zu Sichtungen von Schmuggelballons aus Belarus, der Flugverkehr am Flughafen von Vilnius musste deswegen mehrfach ausgesetzt werden. Nun hat das Land aufgrund des massiven Einfliegens den landesweiten Ausnahmezustand ausgerufen. Die Regierung des baltischen EU- und Nato-Staats begründete den Schritt mit Risiken für die nationale Sicherheit und die zivile Luftfahrt.

Die Sonderregelung ermöglicht es den Behörden, mit mehr Ressourcen leichter und schneller auf die Luftraumverletzungen und Störungen des Flugverkehrs durch Ballons reagieren zu können. Auch das Militär erhält mehr Rechte.

»Im Kampf gegen den hybriden Angriff aus Belarus müssen wir die strengsten Maßnahmen ergreifen und die am stärksten betroffenen Gebiete schützen. Alle relevanten Institutionen bündeln ihre Kräfte, um die Bedrohung durch Schmuggelballons abzuwenden«, sagte Ministerpräsidentin Inga Ruginienė. Sie fügte hinzu, dass es für die Bevölkerung durch den ausgerufenen Ausnahmezustand keine Beeinträchtigungen geben werde.

Flughafen Vilnius seit Oktober mehr als 60 Stunden geschlossen

Die einfliegenden Wetterballons werden üblicherweise von Schmugglern eingesetzt, um Zigaretten aus dem autoritär regierten Nachbarland illegal über die Grenze zu schicken – sie drangen zuletzt wiederholt in größerer Anzahl in den litauischen Luftraum ein. Nach Regierungsangaben musste der Flughafen Vilnius seit Oktober aufgrund der von den Ballons ausgehenden Gefahren für die zivile Luftfahrt für mehr als 60 Stunden vorübergehend geschlossen werden. Betroffen davon waren über 350 Flüge und rund 51.000 Passagiere. Litauischen Behörden zufolge wurden die Ballons teils gezielt in die Flugbahnen der Flughäfen geschickt.

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Die Ballons steigen in der Regel nahezu senkrecht auf, werden vom Wind getragen und überqueren die Grenze in großer Höhe. Danach landen die mit GPS-Trackern ausgestatteten Flugkörper, an denen in Plastikfolie eingewickelte Kisten mit Schmuggelzigaretten befestigt sind, an einem nicht vorhersehbaren Ort. Dort werden sie dann von Schmugglern aufgespürt und abgeholt. Mehrere Beteiligte wurden in Litauen bereits festgenommen.

In Reaktion auf das vermehrte Einfliegen der Ballons hatte Litauen bereits Ende Oktober für gut zwei Wochen seine Grenze zu Belarus geschlossen, um Druck auf den Machtapparat von Langzeitherrscher Alexander Lukaschenko auszuüben. Der Stopp traf aber auch viele litauische Lastwagenfahrer, die zum Unmut von Spediteuren bis heute mit ihren Fahrzeugen in Belarus feststecken. Lukaschenko sagte unterdessen in einer ersten Reaktion, Litauen übertreibe die Vorfälle mit seinem Nachbarn.

sol/dpa/Reuters