Litauen prüft angesichts der Einsatzbeschränkungen westlicher Waffensysteme den Kauf ukrainischer Langstrecken-Waffen. »Einige Systeme, die wir bereits besitzen oder anschaffen werden, haben sogenannte Kill Switches, die die GPS-Verbindung unterbrechen oder stören können«, sagte Litauens Armeechef Raimundas Vaiksnoras der Zeitung »Welt«. »Manche Systeme schließen möglicherweise Ziele in bestimmten Gegenden aus.«
Es sei für Litauen eine Priorität, »eigene Fähigkeiten zu besitzen, die wir selbst kontrollieren«, möglicherweise gemeinsam mit der Ukraine oder durch Übernahme ihrer Technologie, sagte der Armeechef. »Die Ukrainer sind gut, sie haben bereits einige Systeme mit großer Reichweite entwickelt.« Vaiksnoras verwies dabei auf Langstreckendrohnen und Marschflugkörper der Ukraine.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine schürt in europäischen Ländern Befürchtungen vor einem russischen Angriff auch auf ihr Territorium. Insbesondere die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland fühlen sich bedroht. Vaiksnoras betonte, die zum Kauf geprüften Waffensysteme wären »ein Abschreckungsinstrument«. Litauen sei als kleines Land aber auf seine Verbündeten angewiesen.
»Vielleicht muss Deutschland seine Hausaufgaben machen«
Der Armeechef sagte, sein Land plane auch mit zusätzlicher militärischer Infrastruktur in der Gegend um Druskininkai nahe dem sogenannten Suwałki-Korridor zwischen Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad. Die Region – auch als Suwałki-Lücke bekannt – gilt als Ort, wo ein möglicher russischer Angriff gegen die Nato beginnen könnte. Vaiksnoras sagte, geplant sei ein weiteres Übungsgebiet mit Manövern »in Brigadegröße, inklusive Schießen mit Panzern und Haubitzen«.
Litauens Armeechef Raimundas Vaiksnoras (r.) mit dem dänischen König Frederik X.
Foto: Mindaugas Kulbis / APZugleich zeigte sich der litauische Armeechef der Unterstützung Deutschlands bei einem möglichen russischen Angriff sicher. »Was auch immer geschieht – die Bundeswehrsoldaten werden sich uns anschließen und kämpfen. Wir sind die Nato, wir unterstützen einander.« Mit Blick auf politische Entscheidungswege in Deutschland bei einem Ernstfall sagte Vaiksnoras allerdings: »Vielleicht muss Deutschland seine Hausaufgaben machen und politische Entscheidungsprozesse beschleunigen.«
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