SpOn 06.03.2026
10:41 Uhr

Liebesleben bei Insekten: Wenn Schaben sich mögen, fressen sie ihre Flügel


Forschende haben bei taiwanischen Holzschaben ein ungewöhnliches Paarungsritual beobachtet: Sie fressen gegenseitig ihre Flügel. Danach bleiben sie zusammen – und verteidigen sich gemeinsam gegen Fremde.

Liebesleben bei Insekten: Wenn Schaben sich mögen, fressen sie ihre Flügel

Es gibt verschiedene Wege, auf denen sich Tiere zeigen, dass sie es ernst miteinander meinen. Die Taiwanische Holzschabe (Salganea taiwanensis) hat eine ganz besondere Methode dafür entwickelt: Sie fressen gegenseitig ihre Flügel. Das jedenfalls haben Forschende beobachtet.

Für seine Beobachtungen sammelte das Forschungsteam um Haruka Osaki von der North Carolina State University in Raleigh Kolonien der Schabe in der Nähe einer japanischen Universität in Okinawa und beobachtete sie dann in Petrischalen. Der Verzehr der Flügel gehört demnach zum Paarungsverhalten, heißt es in der Studie im Fachblatt »Royal Society Open Science« . Nach diesem Ritual wiesen beide Partner konsequent Artgenossen beider Geschlechter teils aggressiv zurück, während sie dem eigenen Partner friedlich treu blieben. Die Beobachtungen deuteten darauf hin, dass für die Tiere nach dem gegenseitigen Fressen der Flügel keine anderen potenziellen Partner mehr infrage kämen.

Wichtig für die Bindung

Schabenpaare, die sich füreinander entschieden haben, werden ohne ihre Flügel zwangsläufig sesshafter, bauen sich der Studie zufolge üblicherweise gemeinsam ein Nest in morschem Holz, bekommen Nachwuchs und kümmern sich über Jahre hinweg gemeinsam und treu um diesen.

Auch die Paarung selbst spielt den Autoren zufolge eine Rolle für die Bindung. Obwohl sich die Schabenpaare auch schon vor dem Flügelfressen miteinander paarten, waren die beobachteten Verhaltensweisen erst nach dem Flügelritual so deutlich ausgeprägt. Zuvor zeigten die Schaben noch kein so aggressives Verhalten gegenüber Eindringlingen. Das gegenseitige Fressen der Flügel spiele also mutmaßlich eine entscheidende Rolle dabei, die exklusive Partnerschaft zu etablieren.

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Möglicherweise liege das an chemischen Stoffen, die durch die Zerstörung der Flügel freigesetzt würden und Signale an den jeweiligen Partner sendeten. Auch Prozesse im Gehirn, die durch Paarung und Verlust der Flügel ausgelöst würden, könnten eine Rolle dabei spielen, dass die Schaben ihre Partner tolerieren, anderen gegenüber aber aggressiv werden.

»Was uns am meisten überraschte, war, dass das Paar Eindringlinge gemeinsam als Zweierteam angriff«, sagte Studienautor Osaki der Nachrichtenagentur dpa. Die Tiere attackierten also auch Eindringlinge des anderen Geschlechts, was darauf hindeute, dass sie die Exklusivität als wichtiger einstufen als andere potenzielle Partner. Bislang sei exklusive Partnerschaft vor allem mit Wirbeltieren in Verbindung gebracht worden und weniger mit Insekten, schreiben die Autoren.

ani/dpa