Es gibt da diese Menschen, die irgendwann nur noch im Plural von sich und ihrem Partner oder ihrer Partnerin sprechen. Die überall zu zweit auftauchen, auch wenn nur eine:r von beiden eingeladen war. Und das vielleicht sogar im Partnerlook.
Besonders in der Kennenlernphase haben wir nur noch Augen für unser love interest. Wir melden uns nicht mehr so häufig bei Freund:innen, vernachlässigen Hobbys und womöglich uns selbst. Das ist verständlich und völlig normal, erklärt die Paartherapeutin Sonja Bröning in »Social Therapy – was braucht die Liebe von uns?« , einer fünfteiligen Sonderserie des SPIEGEL-Podcasts »Smarter leben«.
Denn: »Verliebtheit setzt uns wie unter Drogen.« Unsere Gedanken kreisen nur noch um diese eine Person, wir verlieren das Wesentliche aus dem Blick und vergessen vielleicht sogar mal zu essen.
Hinzu kommt, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Wir haben schlicht nicht für alles und jeden Zeit. Was also hilft?
Für Expertin Bröning ist »selektives Scheitern« die Lösung. Was sie damit meint: zu akzeptieren, dass wir nicht immer allem gerecht werden können. »Langfristig geht es darum, mein Leben so zu balancieren, dass nichts von mir verloren geht.«
Also auch mal die beste Freundin am Wochenende treffen, statt nur Zeit mit dem Partner zu verbringen. Oder bewusst Me-Time einzuplanen. Die Paartherapeutin sagt: »Jede Partnerschaft braucht Räume ohne den anderen. Sonst richte ich mich nur wie ein Kompass nach meinem Partner aus und forme mich nur nach ihm.« Im besten Fall, so Bröning, stützen mehrere Säulen unser Leben. Denn diese machen uns aus.
Zur Selbstreflexion: Wo finde ich meine eigene gelernte Hilflosigkeit okay – und wo nicht? Und was macht den Unterschied?
Als Gesprächsimpuls fürs Date: Sprechen Sie mit der anderen Person über die Beziehung Ihrer Eltern. Was würden Sie gern beibehalten, was anders machen?
Für den Austausch im Beziehungsalltag: Erzählen Sie einander, wo Ihre inneren Kinder zusammen lachen und weniger ernst sein können.
Problematisch wird es laut Bröning, wenn wir uns in einer Beziehung komplett selbst aufgeben und dauerhaft miteinander verschmelzen. »Manche Menschen passen sich sehr an, bis hin zum Verbiegen. Schwierig wird es, wenn ich mit der Zeit merke: Das Leben, das ich führe, das ist gar nicht mehr meins.«
Um das zu verhindern, sollten wir uns regelmäßig fragen: Was macht mich wirklich glücklich? Die eigenen Bedürfnisse gut zu kennen und diese bewusst zu kommunizieren, helfe dabei. Bröning sagt: »Ich bin ein großer Fan von klaren Ansagen. Eigentlich müssten wir unserem Partner, wenn wir frisch zusammengekommen sind, eine Gebrauchsanleitung für uns geben.« Dann würde der oder die andere besser verstehen, was uns wirklich wichtig ist.
Bei unterschiedlichen Bedürfnissen helfen Kompromisse – und zwar echte, keine faulen, wie Bröning im Podcast betont. Beide sollten sich nicht zähneknirschend auf etwas einigen, mit dem sie unzufrieden sind. Sondern eine kreative Lösung suchen, die alle Bedürfnisse berücksichtigt. Bröning erläutert: »Ich rücke ab von meiner Lieblingslösung, um dir zu geben, was du brauchst.«
In der dritten Folge geht es außerdem darum, warum wir uns auch in glücklichen Beziehungen fremdverlieben können. Und wieso die Zufriedenheit in einer Partnerschaft im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes am meisten sinkt.
Hören Sie hier alle bisher veröffentlichten Folgen der Podcast-Serie »Social Therapy – was braucht die Liebe von uns?« .
