SpOn 30.11.2025
21:29 Uhr

Libanon: Papst Leo XIV. in Beirut, Hisbollah jubelt


Leo XIV. macht die zweite Station auf seiner ersten Auslandsreise: im Libanon, wo der christliche Präsident um den multireligiösen Staat fürchtet. Und Kinder der Hisbollah-Pfadfinder Vatikanflaggen schwenken.

Libanon: Papst Leo XIV. in Beirut, Hisbollah jubelt

Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch im Libanon zu Frieden und Versöhnung aufgerufen – und die Menschen trotz der massiven Wirtschaftskrise zum Bleiben ermutigt. Es erfordere »Mut und Weitsicht, im eigenen Land zu bleiben oder dorthin zurückzukehren«, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag in Beirut.

Libanons Präsident Joseph Aoun warb beim Papst für mehr Unterstützung seines Landes. »Mit großem Stolz und großer Demut« begrüße er den Papst als »Boten des Friedens im Land des Friedens«, sagte Aoun beim Empfang für den Papst im Präsidentenpalast in Baabda.

Im Libanon spielt die christliche Gemeinde weiterhin eine bedeutende Rolle. Aoun gehört der mit Rom verbundenen maronitischen Kirche an. Laut der Landesverfassung, die religiöse Parität vorschreibt, muss der Staatspräsident maronitischer Christ sein. Andere hohe Staatsämter sind sunnitischen und schiitischen Muslimen vorbehalten, die Parlamentssitze werden zu gleichen Teilen auf Christen und Muslime verteilt.

Aoun rief den Papst dazu auf, »der ganzen Welt zu sagen, dass wir nicht sterben, dass wir nicht gehen, dass wir nicht verzweifeln werden«. Der Libanon werde »der einzige Begegnungsraum in der Region« und der Welt bleiben, in dem sich alle Angehörige der abrahamitischen Religionen – also Juden, Christen und Muslime – in all ihren Glaubensunterschieden und Zugehörigkeiten um den Heiligen Vater vereinen können. Der Glaube der Libanesen sei »unermesslich«, so Aoun. »Wir wünschen uns die Heilung der Seelen, Herzen und des Geistes von allem Hass, Krieg und Zerstörung.«

Der Libanon befindet sich seit 2019 in einer tiefen Wirtschaftskrise. Armut und Arbeitslosigkeit nahmen dramatisch zu. Vor allem junge Menschen verließen massenhaft das Land – darunter auch viele Christinnen und Christen.

Hisbollah-Pfadfinder bejubeln Papst

Im Libanon wurde der Papst mit großer Vorfreude erwartet. Die Al-Mahdi-Pfadfinder der Hisbollah schwenkten Fahnen des Libanon, der Hisbollah und des Vatikan vor zwei von Israel zerstörten Gebäuden, um den Papst auf seinem Weg zum Präsidentenpalast zu begrüßen. Die Schiitenmiliz hatte den Papst am Samstag dazu aufgerufen, die »Ungerechtigkeit und Aggression« Israels anzuprangern.

Kinder der Hisbollah-Pfadfinder schwenken Vatikanflaggen in Süd-Beirut

Kinder der Hisbollah-Pfadfinder schwenken Vatikanflaggen in Süd-Beirut

Foto: Wael Hamzeh / EPA

Auf dem Weg in den Libanon hatte sich der Papst erneut für eine Zweistaatenlösung im Nahostkonflikt ausgesprochen. Der Heilige Stuhl sehe darin die einzige Möglichkeit, den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beizulegen, sagte der Papst vor mitreisenden Journalisten. Auf den Konflikt zwischen dem Libanon und Israel ging der Papst in seiner Rede jedoch nicht direkt ein. Trotz eines Waffenstillstands zwischen Israel und der von Iran unterstützten Hisbollah-Miliz gibt es immer wieder tödliche Gefechte, besonders im Süden des Landes.

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Außer Aoun traf Leo auch den sunnitischen Regierungschef Nawaf Salam und den schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri. Am Montag plant der Papst unter anderem ein interreligiöses Treffen und eine Begegnung mit jungen Menschen. Am Dienstag, dem letzten Tag seiner Reise, will er dann eine Freiluftmesse mit mehr als 100.000 Gläubigen feiern.

ahh/KNA/AFP/dpa