SpOn 09.02.2026
13:49 Uhr

Libanon: Israel entführt Islamistenführer und bombardiert Tyros


Bei israelischen Drohnenangriffen auf die Hafenstadt Tyros sterben im Libanon drei Menschen, darunter ein Kind. Soldaten setzen einen Funktionär der Gruppe Al-Dschama al-Islamija fest und bringen den Mann nach Israel.

Libanon: Israel entführt Islamistenführer und bombardiert Tyros

Israels Armee hat im Südlibanon ein hochrangiges Mitglied der militanten Gruppe Al-Dschama al-Islamija festgenommen und nach Israel gebracht. Die sunnitische Gruppe bestätigte die Berichte. In einer Stellungnahme verurteilte sie das Eindringen israelischer Soldaten sowie »die Entführung ihres Funktionärs Atwi Atwi aus seinem Haus«. Er sei in der Nacht an einen unbekannten Ort gebracht worden.

Israels Armee hat bereits mehrfach in Nachbarländern Personen festgenommen und nach Israel verbracht, denen sie Terroraktivitäten vorwirft. Die sunnitische Gruppe Al-Dschama al-Islamija steht der Hisbollah im Libanon und der palästinensischen Terrororganisation Hamas nahe und unterstützt nach eigenen Angaben den Kampf der schiitischen Hisbollah-Miliz gegen Israel.

Libanesische Sicherheitskreise bestätigten, dass es sich bei dem Mann um ein hochrangiges Mitglied der Gruppe handelt. Eine offizielle Stellungnahme aus dem Libanon zu der Festnahme eines Staatsbürgers durch israelische Soldaten gab es bislang nicht. Israels Armee teilte mit, Einsatzkräfte hätten »eine gezielte Razzia in einem Gebäude« ausgeführt. Dort hätten israelische Soldaten auch Waffen sichergestellt.

Drei Tote bei israelischem Drohnenangriff auf Hafenstadt Tyros

Ein Drohnenangriff durch Israels Militär auf die Hafenstadt Tyros hat offenbar mindestens drei Menschen getötet, darunter ein Kind. Das libanesische Gesundheitsministerium bestätigte die Attacke im Süden des Landes. Israels Armee teilte mit, der Angriff sei eine Antwort auf »die wiederholten Verstöße der Hisbollah gegen die Bedingungen der Waffenruhe«.

Ziel des Angriffs war nach Angaben des israelischen Militärs ein Mitglied der libanesischen Hisbollah-Miliz. Ahmed Ali Salami, den Israels Armee als Artilleriechef der Hisbollah in der Gegend bezeichnete, sei getötet worden. Zu Berichten, dass auch unbeteiligte Zivilisten ums Leben gekommen seien, sagte die Armee, sie bedaure jegliches Leid für Unbeteiligte. Das Militär habe vor dem Angriff Schritte unternommen, um die Zivilbevölkerung zu schonen, hieß es. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Der Vorfall werde untersucht, hieß es weiter.

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Israel und die Hisbollah-Miliz im Libanon führten zuletzt bis Ende 2024 Krieg gegeneinander, im November 2024 trat eine Waffenruhe in Kraft. Dieser Vereinbarung zufolge soll unter anderem die von Iran unterstützte Miliz entwaffnet werden. Ende vergangenen Jahres lief eine wichtige Frist dafür allerdings aus. Israels Armee greift trotz der geltenden Waffenruhe fast täglich Ziele im Libanon an und begründet die Angriffe damit, dass die Miliz wieder aufrüste und gegen die Vereinbarung verstoße.

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mgo/dpa