SpOn 28.11.2025
15:50 Uhr

Leo XIV. in Iznik: Behörden halten Papstattentäter Ali Ağca von Papstbesuch ab


Vor fast 35 Jahren schoss er auf Johannes Paul II., nun hoffte Mehmet Ali Ağca auf einen Plausch mit dessen Nachfolger in der Türkei. Daraus wird nichts.

Leo XIV. in Iznik: Behörden halten Papstattentäter Ali Ağca von Papstbesuch ab

Er hoffte auf ein persönliches Gespräch, vergebens: Der Attentäter, der vor mehr als 40 Jahren in Rom auf Papst Johannes Paul II. schoss, darf den neuen Papst Leo XIV. bei dessen Türkeibesuch nicht treffen. Mehmet Ali Ağca wurde von den türkischen Behörden aus der Stadt Iznik begleitet, ohne den Papst zu treffen, wie türkische Medien berichteten. Die türkische Polizei kontrolliert vor dem Papstbesuch in Iznik seit Tagen die Personalien aller Besucher und Passanten in der Stadt und an den Einfallstraßen.

Ağca war eigens für den Besuch Leos in die westtürkische Stadt gereist. Er hoffe, dass er »mit dem Papst zusammensitzen und zwei, drei Minuten sprechen kann«, hatte er der Nachrichtenagentur DHA gesagt.

Papst vergab Ağca

Der türkische Rechtsextremist hatte 1981 auf dem Petersplatz in Rom mehrere Schüsse auf Johannes Paul II. (1978-2005) abgefeuert und diesen lebensgefährlich verletzt. Der Papst überlebte und vergab dem Attentäter später.

Das Bild ging um die Welt: Johannes Paul II. unmittelbar nach dem Attentat

Das Bild ging um die Welt: Johannes Paul II. unmittelbar nach dem Attentat

Foto: Ansa / dpa

Ağca saß 19 Jahre lang in Italien im Gefängnis; dann wurde er an die Türkei überstellt, um eine Strafe für den Mord an einem türkischen Journalisten abzusitzen. Abdi Ipekci wurde 1979 in Istanbul von Ağca erschossen, Ağca kam 2010 frei.

Ağca nimmt Leo XIV. in Schutz

In Iznik, südlich von Istanbul, fand vor 1700 Jahren das erste ökumenische Konzil von Nicäa statt, an das Leo mit seinem Besuch erinnern will. Gegenüber DHA nahm Ağca den amtierenden Papst gegen Verschwörungstheorien in Schutz, die unter türkischen Nationalisten kursieren und wonach der Vatikan eine Rückeroberung von Nicäa plane. »Das sind dumme und ignorante Verschwörungstheorien«, so der einstige Attentäter. »Der Papst kommt nur, um seinen Glauben zu bekunden.« Die Türkei müsse das Bündnis mit dem Vatikan suchen, riet Ağca.

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Nach seiner Haftentlassung vor 15 Jahren hatte der Rechtsextremist neben vielem anderen behauptet, den Auftrag für das Attentat auf Johannes Paul II. aus dem Vatikan bekommen zu haben. Die Hintergründe der Tat wurden aber nie aufgeklärt.

mkh/dpa/KNA