Feinste Plastikpartikel aus dem Abrieb von Autoreifen belasten die Luft und gelangen so in den menschlichen Körper. Eine Studie aus Leipzig kommt zu dem Ergebnis, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Großstadt hochgerechnet ungefähr 2,1 Mikrogramm Plastik über die Luft einatmen – pro Tag. Das erhöhe das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs um etwa ein Zehntel, teilten die Forschenden mit.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg saugten an einer stark befahrenen Ausfallstraße in Leipzig zwei Wochen lang Luft durch Filter an. Die Filter wurden alle 24 Stunden gewechselt und später im Labor mit Pyrolyse-Gaschromatografie und Massenspektroskopie analysiert.
Die chemischen Analysen böten einen ersten Einblick in die Belastung der Atemluft mit Nano- und Mikroplastik in einer Stadt wie Leipzig, teilte das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung mit. Als Nanoplastik werden alle Plastikpartikel kleiner als ein Mikrometer bezeichnet, als Mikroplastik alle zwischen einem Mikrometer und einem Millimeter. Die Plastikverschmutzung der Luft gehe zu rund zwei Dritteln auf Reifenabrieb zurück.
Die Studie beantwortet allerdings noch nicht die Frage, wie stark die Konzentrationen in der Luft sich zu verschiedenen Tageszeiten und an verschiedenen Orten in der Stadt unterscheiden. Auch jahreszeitliche Schwankungen konnten nicht erfasst werden. Die Forscher planen in einem Folgeprojekt, Proben über den Zeitraum eines Jahres zu nehmen.
Dennoch: »Dass der überwiegende Anteil an Mikroplastik aus Reifenabrieb besteht, zeigt, dass hier Handlungsbedarf herrscht und sich das Feinstaubproblem nicht allein durch den Umstieg auf Elektromobilität lösen lässt«, sagte der leitende Autor Hartmut Herrmann einer Mitteilung zufolge. »Zum Schutz der Gesundheit wäre es wichtig, auch den Reifenabrieb bei der Regulierung der Luftqualität zu berücksichtigen und Grenzwerte für Mikroplastik in der Luft zu erlassen.«
Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Dezember im Fachblatt »Nature Communications Earth & Environment «.
