Der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang ist wegen seiner häufigen Kontakte zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vom Außenministerium einbestellt worden. Der Élysée und das Büro des Premierministers hätten darum gebeten, damit er Fragen beantworte, hieß es im Umfeld von Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend. Lang steht seit 2013 an der Spitze des Instituts für die arabische Welt, das vom Außenministerium mitfinanziert wird. Er werde am Sonntag im Ministerium erwartet.
Mehrere Politiker forderten den Rücktritt des ehemaligen Ministers, auch der Chef der Sozialistischen Partei, der Lang angehört. »Es ist verstörend, wie er heute über die Affäre spricht«, sagte PS-Chef Olivier Faure. Er legte Lang den Rücktritt nahe, »um die Institution zu schützen«.
Lang hatte bislang ausgeschlossen, seinen Posten zu räumen. »Einen Mäzen anzufragen, ist doch keine Straftat«, hatte der 86-Jährige am Mittwoch betont. Zuvor hatte er eingeräumt, Epstein um rund 58.000 Euro für einen Film über seine Amtszeit gebeten zu haben. Der Film wurde nie verwirklicht.
Der Name Jack Lang ist in den veröffentlichten Epstein-Akten mehr als 670-mal erwähnt. »Ich war vielleicht etwas naiv«, räumte Lang ein. Epstein sei »kein Freund« gewesen, er habe »nichts gewusst« und den Kontakt abgebrochen, als er von Epsteins Verurteilung als Sexualstraftäter erfahren habe. Tatsächlich ist Lang noch 2019 an der Seite von Epstein auf einem Foto vor dem Louvre zu sehen.
Nach einem Bericht von »Mediapart« ist Lang auch in den Statuten eines Offshore-Unternehmens zitiert, das Epstein zusammen mit Langs Tochter gegründet hatte, um in junge Künstler zu investieren. Langs Tochter Carolin trat deswegen bereits von ihrem Posten bei einem Verband von Filmproduzenten zurück.
»Mediapart« fand in den neu veröffentlichten Epstein-Akten auch Hinweise darauf, dass Lang sich von Epstein mehrfach Autos mit Chauffeur finanzieren ließ. 2017 soll Lang Epstein zu einer Geburtstagsfeier »im kleinen Kreis« eingeladen haben. Er könne sich daran nicht erinnern, sagte Lang auf Nachfragen von Mediapart. Einen Fahrer habe er sich auch nicht bezahlen lassen, sondern »höchstens Taxis«.
Kulturminister mit vielen bekannten Projekten
Jack Lang ist europaweit bekannt und gilt in Frankreich als Legende. Er hatte unter den früheren Präsidenten François Mitterrand und Jacques Chirac verschiedene Regierungsposten inne. Bekannt wurde er vor allem als Kulturminister, das Amt hatte er mit Unterbrechungen von 1981 bis 1993 inne. In dieser Funktion gründete Lang unter anderem das Musikfestival Fête de la Musique, das inzwischen in mehreren europäischen Ländern gefeiert wird.
Lang hatte auch Anteil an der architektonischen Gestaltung von Paris, so geht auf ihn die gläserne Pyramide am Louvre zurück. Er führte ebenfalls Quoten für französische Filme in Kinos und Fernsehen ein, um der Dominanz amerikanischer Kulturprodukte etwas entgegenzusetzen.
In den vor einer Woche vom US-Justizministerium veröffentlichten mehr als drei Millionen Dokumenten zum Fall Epstein tauchen die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten auf. Der bis in höchste Kreise vernetzte Investor und Milliardär Epstein war 2019 tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden, nach offiziellen Angaben beging der verurteilte Sexualstraftäter Suizid. Ihm wurde vorgeworfen, mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht zu haben.
