SpOn 26.02.2026
14:45 Uhr

Landgericht Bamberg: 7,5 Jahre Haft für Kryptobetrüger


Das Landgericht Bamberg hat den Betreiber eines Betrugs-Callcenters mit bis zu 600 Beschäftigten verurteilt. Mit einer zweiten kriminellen Firma soll er sogar noch größeren Schaden angerichtet haben.

Landgericht Bamberg: 7,5 Jahre Haft für Kryptobetrüger

Betrug in industriellem Maßstab: Das Landgericht Bamberg hat einen 50-Jährigen wegen Anlagebetrugs mit Millionenschaden zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. In dem albanischen Callcenter des Mannes sollen zeitweise bis zu 600 Personen daran gearbeitet haben, Menschen wie am Fließband um ihr Geld zu bringen. Das Gericht zog 2,4 Millionen Euro aus Taterträgen ein, was allerdings nur einen Bruchteil der vermuteten Beute ausmacht.

Die Masche der Betrüger ist seit vielen Jahren erfolgreich: Über gefälschte Websites werden potenzielle Anleger geködert, die insbesondere mit Kryptowährungen hohe Gewinne machen wollen. Gewöhnlich werden die Opfer zunächst dazu verleitet, einen kleinen Beitrag zu überweisen, der sich laut dem falschen Anlageportal alsbald vervielfacht. Über ständige Anrufe werden die Opfer dann verleitet, immer neues Geld nachzuschießen. Wenn sie jedoch die vermeintlichen Gewinne abheben wollen, stellt sich schließlich heraus, dass das Geld verloren ist. Laut Überzeugung des Gerichts verloren viele Opfer ihre gesamten Ersparnisse.

Automatisierter Betrug

Laut Überzeugung des Gerichts hatte der Mann eine lange Verbrechenskarriere hinter sich: Von 2017 bis 2019 baute er ein Callcenter in der albanischen Hauptstadt Tirana auf, das gänzlich auf die Betrugsmasche zugeschnitten war. Eigens geschulte Spezialisten sollen den Geschädigten das Blaue vom Himmel herunter versprochen haben.

Im Jahr 2019 soll sich der Mann aus dem Betrieb des Callcenters zurückgezogen und auf ein neues Geschäft spezialisiert haben: Er ließ in Georgien eine Software entwickeln, die den Betrug automatisierte. Laut der Zentralstelle Cybercrime Bayern waren 15 bis 20 Mitarbeiter mit der Softwareentwicklung sowie dem Support für weitere kriminelle Banden beschäftigt.

Allein bei diesem Tatkomplex geht das Gericht von einem Schaden von mindestens 42 Millionen Euro aus. Zuvor hatten Ermittler die Höhe der von der Gruppe weltweit angerichteten Schäden auf mindestens 190 Millionen Euro geschätzt. Im August 2023 wurde der Mann schließlich im Rahmen einer internationalen Aktion verhaftet und 2024 nach Deutschland ausgeliefert. Der Prozess wurde unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen geführt. Der Angeklagte war schließlich geständig und entschuldigte sich bei den Opfern.

Mehr zum Thema

Der Massenbetrug sogenannter Scammer geht unterdessen weiter, es entstehen viele neue betrügerische Anlageportale. Erst im vergangenen Oktober nahmen Ermittler mehr als 1400 Domains offline. Kriminelle machen immer wieder mit Fake-Anzeigen, in denen prominente Namen genannt werden, auf sich aufmerksam. Zuweilen fälschen sie auch Profile auf sozialen Netzwerken. Mehr dazu lesen Sie hier.

tmk