Wie wird KI die Wirtschaft verändern? Immer wieder schwappen Horrorszenarien durch die Öffentlichkeit: So warnt der Chef des Chatbot-Konzerns Anthropic vor rasend schnell steigender Massenarbeitslosigkeit. Doch wie realistisch sind solche Vorhersagen?
Forscher des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben nun – nach langen und ausführlichen Berechnungen – ihre Antwort gegeben. Und sie lautet: Mit apokalyptischen Verwerfungen am Arbeitsmarkt ist nicht zu rechnen. Das geht aus der »KI-Szenario-Analyse« hervor, die das IAB mit dem Bundesinstitut für Berufsforschung (BIBB) und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) vorgelegt hat.
Tatsächlich werde KI zwar in den kommenden 15 Jahren dafür sorgen, dass zahlreiche Jobs verschwinden. Bis 2040 könnte sich diese Zahl laut dem IAB auf rund 800.000 Stellen belaufen. Allerdings: Im selben Zeitraum entstünden auch etwa 800.000 neue Jobs durch KI, so die Studie.
Billionen Euro mehr Wertschöpfung
Für die deutsche Volkswirtschaft könnte sich die Technologie sogar als Segen erweisen – und dem schwächelnden Wachstum auf die Sprünge helfen. Demnach könnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch KI jährlich um 0,8 Prozentpunkte steigen.
In absoluten Zahlen heißt das: Bis 2040 könnte die Wertschöpfung in Deutschland durch KI insgesamt 4,5 Billionen Euro höher liegen als ohne diese Entwicklung. Gründe dafür seien vorwiegend Materialeinsparungen, eine höhere Arbeitsproduktivität und neue Geschäftsfelder.
Wo gehen Arbeitsplätze verloren, wo entstehen neue?
Weil jeweils rund 800.000 Jobs verloren gehen dürften und an anderer Stelle neue entstehen, sprechen die Forscher von 1,6 Millionen Arbeitsplätzen, die durch den KI-Wandel betroffen sind. Besonders profitieren würden demzufolge IT- und Informationsdienstleister, bei denen der Bedarf um rund 110.000 Arbeitskräfte zunehmen dürfte.
Ebenfalls deutlich mehr Nachfrage nach Arbeitskräften dürfte es im Bereich Erziehung und Unterricht geben. In Bereichen wie etwa den Unternehmensdienstleistungen könnten hingegen 120.000 Arbeitsplätze wegfallen. Dazu gehören beispielsweise Unternehmensberatungen, manche IT-Dienstleistungen, aber auch Werbeagenturen.
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»Gefragt sind künftig andere Tätigkeiten und Kompetenzen, nicht weniger Arbeit«, fasste IAB-Experte Enzo Weber die Folgen für den Arbeitsmarkt zusammen. Entscheidend sei, dass Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickelten und die notwendige Infrastruktur für den KI-Einsatz aufbauten.
KI könnte nach Angaben seines Kollegen Christian Schneemann auch eine Antwort auf den demografischen Wandel sein: »Damit dieses Potenzial realisiert wird, braucht es gezielte Qualifizierungsstrategien und eine hohe Anpassungsbereitschaft in Wirtschaft und Gesellschaft.«
