Bei diesem Test fühlte ich mich wie ein Verräter. Seit Jahren arbeite ich in der Küche mit meiner treuen und günstigen Vierkantreibe. Ich glaube, viele Haushalte verwenden ein vergleichbares Modell. Ich stelle sie auf einen Teller oder in eine Schüssel und reibe damit Möhren, Gurken, Kartoffeln oder Käse.
Doch manchmal ertappe ich mich bei der Frage, wie es wohl mit einem anderen, besseren Gerät sein würde. Vor allem, wenn ich mir mal wieder die Knöchel aufreibe. Moderne Reiben und Hobel sind meist mit einem Plus an Einschüben und Einstellungen ausgestattet als meine alte Vierkantreibe. Je nach Modell kann man damit auch Juliennes – so nennt man Gemüsestifte – herstellen oder gar hübsch gewellte Gemüsescheiben.
Reibe oder Hobel?
Streng genommen raspelt eine Reibe Gemüse, Käse und andere Dinge mit vielen kleinen Zähnen während ein Hobel sie mit einer Klinge in Scheiben scheidet. Viele Hersteller mischen beide Funktionsprinzipien, einige nehmen es mit der Bezeichnung nicht so genau. So ist manche »Reibe« in Wahrheit eher ein Hobel oder umgekehrt. Oder eben beides.
Ich habe eine Allzweckreibe und vier Hobel getestet. Dabei habe ich Praktisches, Nützliches und Erstaunliches festgestellt. Wichtig waren mir im Test die Bedienung, das Design und die Standsicherheit, die Schönheit und Gleichmäßigkeit der Ergebnisse sowie die Reinigung.
Sicherheitsfragen
Außerdem ist die Sicherheit wichtig, denn an den scharfen Klingen und Reiben kann man sich böse verletzen. Zwar liegt allen Hobeln, nicht aber der Rösle-Reibe, ein Fingerschutz zum Andrücken des Materials bei, der jedoch funktioniert meist nur eingeschränkt. Mein Rat: Wenn Sie sich eine Reibe oder einen Hobel kaufen, sollten Sie Schutzhandschuhe gleich mitbestellen. Speziell für die Arbeit mit scharfen Messern und anderen Schneidewerkzeugen hergestellte Modelle und kosten zehn bis 15 Euro.
Wenn Sie Ihre neue Reibe oder den Hobel gleich ausprobieren wollen, habe ich ein passendes Rezept für Sie: Kartoffel-Möhren-Puffer mit spicy Mandarinen-Chutney.
Reiben und Hobel sind eine Arbeitserleichterung. Aber an einigen kann man sich reiben und schneiden. Ein robust und sicher konstruierter Küchenhelfer ist der Gefu Gemüsehobel. Auch gut: der Börner V5 sowie die Allzweckreibe von Leifheit. Letztere ging mir beim Fummeln an den Plastikfolien aber unter die Haut.
Diese Reiben und Hobel haben wir getestet:
Leifheit Allzweckreibe
Manfred Zimmer / DER SPIEGEL
Die Allzweckreibe von Leifheit wirkt sehr kompakt. Die Einsätze für die zwei Schneide- und drei Reibemöglichkeiten sind seitlich integriert. Eine Bedienungsanleitung für die Anwendung der Einsätze in der Praxis wäre hilfreich gewesen. Nur die Verpackung zeigt anhand von Fotos, welcher Einsatz für welches Ergebnis gedacht ist.
Dass man die Einsätze seitlich einführt – also nicht in Schneiderichtung – ist ein gutes Sicherheitskonzept.
Die Schneiden sind ab Werk mit einer dünnen blauen Schutzfolie überzogen, deren feine Streifen sich nur schwer ablösen lassen. Beim Abziehen habe ich mir sogar eine kleine Schnittwunde zugezogen – hier wäre ein Hinweis oder eine bessere Lösung dringend nötig.
Im Praxistest mit Karotten, Gurken, Rotkohl und Kartoffeln schneiden und reiben die Einsätze gut. Sie lassen sich prinzipiell schnell wechseln, gelegentlich jedoch klemmen sie. Die Gleichmäßigkeit der Scheiben überzeugt. Die waagerechte Klinge lässt sich in zwei Stärken einstellen.
Die Allzweckreibe lässt sich einfach in der Spülmaschine reinigen. Dabei verschwinden auch die beim Reiben von Karotten entstehenden Verfärbungen der Schnittfläche.
Fazit: Die Schnittleistung ist gut und die Einsätze sind praktikabel. Es gibt jedoch Minuspunkte für die fehlende Anleitung und die schlecht ablösbaren Schutzfolien.
Stoneline Edelstahl Gemüsehobel
Manfred Zimmer / DER SPIEGEL
Der überwiegend aus Edelstahl bestehende Stoneline-Hobel ist schnell aufgebaut. Er wirkt auf den ersten Blick robust, erweist sich im Einsatz jedoch als wackelig und im Detail nicht gut verarbeitet.
Die fünf Einschübe für drei Scheiben- und zwei Stiftstärken sind schnell verstanden. Die veraltet wirkende und unübersichtliche Bedienungsanleitung im 80er-Jahre-Look weist auf die scharfen Messer hin und mahnt die Verwendung des Fingerschutzhalters an.
In puncto Sicherheit überzeugt der Hobel aber nicht. So muss man die Einsätze in Schneiderichtung einsetzen, läuft dabei Gefahr, abzugleiten. Auch wirkt die Anordnung der Messer nicht durchdacht. Man reibt schon optisch immer ins offene Messer. Das ist kein gutes Gefühl.
Möhrenraspel, Kartoffel- und Gurkenscheiben gelingen gut. Man kann auch Chips damit hobeln.
Fazit: Zum Schneiden und Reiben ist der Stoneline-Hobel gut geeignet, wirkt aber wackelig und schützt kaum vor Verletzungen.
Rösle Multifunktionsreibe
Manfred Zimmer / DER SPIEGEL
Die bis auf die kleinen Standfüße komplett aus Edelstahl hergestellte Rösle-Multifunktionsreibe sieht gut aus und ist recht klein. Rösle verzichtet auf eine Verpackung. Das ist an sich gut, weil nachhaltig. Doch damit beschränken sich die Informationen zum Gebrauch der Reibe auf die wenigen Hinweise auf der Schneidesicherung, die wie eine Banderole über den Schneiden liegt. Informationen zur sicheren Anwendung fehlen. Ein Fingerschutz liegt nicht bei.
Man kann mit dem Gerät hobeln sowie grob und fein raspeln. Sie hat einen sicheren Stand und rutscht nicht. Beim Schneiden von Gurken- und Kartoffelscheiben überzeugt mich das Messer jedoch nicht. Zum Schluss bleibt stets ein kleiner Zipfel an der Schneide hängen. Das Raspeln von Möhren und Parmesan funktioniert besser, leicht und schnell geht es aber nicht.
Gut gefällt mir, dass ich zum Reinigen eine der drei Seiten der Reibe herauslösen kann. Außerdem können abgenutzte Hobelklingen gegen neue ausgetauscht werden.
Fazit
Rösles Multifunktionsreibe ist schön anzuschauen und steht stabil. Was ihre Funktion und die Schneideergebnisse betrifft, ist sie aber nur Mittelmaß. Bei einem Preis von rund 60 Euro darf man mehr erwarten.
Gefu Laola Gemüsehobel
Manfred Zimmer / DER SPIEGEL
Der Gefu-Hobel macht einen sorgfältig verarbeiteten Eindruck, steht sicher auf der Arbeitsfläche, wirkt vertrauenerweckend. Die Bedienungsanleitung ist übersichtlich gegliedert und gut verständlich.
Der Hobel verfügt weder über Einsteckmodule noch Scheiben, alle Funktionen sind integriert. Das macht den Umgang damit einfach und minimiert das Verletzungsrisiko. Zudem ist der Gefu das einzige Gerät im Test, bei dem das Zusammenspiel zwischen Fingerschutz und Schneide gut funktioniert.
Mit dem stufenlos verstellbaren Hobel lassen sich bis zu neun Millimeter dicke Scheiben, Wellenscheiben sowie Juliennes in zwei Größen herstellen. Meist geht das ohne viel Krafteinsatz, nur bei gewellten Scheiben und Juliennes musste ich mit Nachdruck arbeiten. Die Ergebnisse sind gut.
Dank seiner Edelstahlfläche ist das Gerät leicht zu reinigen und darf auch in die Spülmaschine.
Fazit: Nach dem Lesen der Bedienungsanleitung kann man mit dem gut durchdachten Gerät sofort loslegen. Bei den Scheiben für Juliennes und Wellenschnitt wünsche ich mir mehr Leichtigkeit.
Börner V5 Powerline Starter Set
Manfred Zimmer / DER SPIEGEL
Bis auf die Schneiden besteht der V5 aus Kunststoff, ist deshalb sehr leicht. Die Füße sind aus Gummi, die Standfestigkeit könnte aber besser sein. In der ausführlichen Bedienungsanleitung werden die wichtigsten Punkte erklärt, dazu gehört auch das Thema Sicherheit.
Den Börner gibt es in drei Ausstattungsvarianten, mit unterschiedlichem Zubehör. Getestet habe ich das mittlere Starterset mit drei Einschüben: einem V-Hobel für vier Scheibenstärken sowie zwei Messereinschüben für Juliennes und Würfel in unterschiedlichen Stärken. Die Scheibenstärken werden per Knopfdruck eingestellt, der Wechsel der Einschübe ist allerdings ruckelig.
Das Hobeln geht leicht, die Scheiben sind aber nicht ganz gleichmäßig, was bei den Juliennes besonders auffällt. Manche sehen wie zerrupft aus. Laut Börner darf das Gerät nicht in die Spülmaschine. Immerhin: Man kann die Schneide auf Knopfdruck versenken, um sie gefahrlos putzen zu können.
Fazit: Der V5 arbeitet schnell und leicht, zeigt aber Unregelmäßigkeiten im Ergebnis. Der Preis von 60 Euro für das Starterset ist etwas zu hoch.
Kartoffel-Möhren-Puffer mit spicy Mandarinen-Chutney
Mandarinen-Chutney:
Zutaten
200 g Mandarinen (aus der Dose, gut abgetropft)
1 mittelgroße Zwiebel
4 cm rote Peperoni
2 EL Apfelessig
1 EL Öl (nach Wahl)
140 g Gelierzucker 2:1
20 g Rohrohrzucker
1 geh. TL scharfes Currypulver
½ TL Zimt
2 Zacken Sternanis, gemörsert
1 Prise Salz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Zubereitung
Die Zwiebel grob würfeln, die Peperoni hacken. Alle Zutaten in einen Topf geben, aufkochen und zehn Minuten köcheln lassen. Dabei zwischendurch umrühren. Anschließend abkühlen lassen, bis das Chutney die Konsistenz von Marmelade hat.
Kartoffel-Möhren-Puffer
Zutaten
500 g vorwiegend festkochende Kartoffeln
100 g Möhren
2 gehäufte TL Reinweinstein-Backpulver
2 gehäufte EL Kartoffelmehl
½ TL Salz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Butterschmalz zum Ausbacken
Zubereitung
Kartoffeln und Möhren schälen und grob raspeln. Die Masse in einem Tuch ausdrücken, sodass möglichst wenig Flüssigkeit übrig bleibt. Mit Reinweinstein-Backpulver, Kartoffelmehl, Salz und Pfeffer gut vermengen. Aus der Masse sechs gleich große Küchlein formen und in Butterschmalz knusprig ausbacken.


