SpOn 20.11.2025
18:21 Uhr

Kritik an Boris Johnson: Großbritanniens Coronamaßnahmen kamen zu spät und waren nicht ausreichend


»Während der Pandemie herrschte im Zentrum der britischen Regierung eine toxische und chaotische Kultur«: Eine unabhängige Untersuchung äußert massive Kritik an Boris Johnsons Coronamaßnahmen.

Kritik an Boris Johnson: Großbritanniens Coronamaßnahmen kamen zu spät und waren nicht ausreichend

Großbritanniens Regierung unter der Führung von Boris Johnson hat zu wenig und zu spät auf die Coronapandemie reagiert: Zu diesem Schluss kommt eine unabhängige Untersuchung, die der Ex-Premier Johnson im Mai 2021 selbst angeordnet hatte. Der Bericht kritisiert unter anderem eine unentschlossene Führung des damaligen Premierministers.

Großbritannien wurde mit 230.000 Todesfällen stärker als andere europäische Länder von der Pandemie getroffen. Allein eine einwöchige Verzögerung bei der Verhängung des Lockdowns hat dem Bericht zufolge laut Modellrechnungen zu mehr als 20.000 zusätzlichen Todesfällen geführt.

»Während der Pandemie herrschte im Zentrum der britischen Regierung eine toxische und chaotische Kultur«, heißt es in dem Bericht. Johnson habe die Schwere des Virus nach seinem Auftreten Anfang 2020 nicht erkannt und sei durch andere Regierungsangelegenheiten abgelenkt gewesen, heißt es weiter. Johnson selbst sagte im Jahr 2023 vor dem Ausschuss, seine Regierung sei zu selbstgefällig gewesen und habe die Risiken »massiv unterschätzt«. Er verstehe die Wut der Öffentlichkeit.

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Der am 23. März 2020 verkündete erste Lockdown ist laut der Untersuchung zu spät verhängt worden. Demnach hätte ein nur eine Woche früher verhängter Lockdown, wie er »nach übereinstimmenden Erkenntnissen hätte geschehen sollen«, zu einer Verringerung der Todesfälle in der ersten Welle bis Juli um etwa 23.000 oder 48 Prozent geführt, so das Fazit des Berichts.

Viele der gleichen Fehler – zu langsames Reagieren und Unterschätzen der Geschwindigkeit und Auswirkungen der Ausbreitung von Covid – wurden dann laut dem Bericht später im Jahr 2020 wiederholt, als die Beschränkungen aufgehoben und angesichts neuer infektiöser Varianten verspätet wieder eingeführt wurden. Dies sei »unentschuldbar«, heißt es in dem Dokument.

svs