SpOn 13.12.2025
10:09 Uhr

Krankenhausreform: Kassenärztechef fordert deutlich mehr Klinikschließungen


Weniger Kliniken, aber mehr Geld für Arztpraxen: So will der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Gesundheitskosten sparen. Auch zu Homöopathie hat er eine klare Haltung.

Krankenhausreform: Kassenärztechef fordert deutlich mehr Klinikschließungen

Mehr ambulante Behandlungen könnten aus Sicht des Kassenärztechefs im Gesundheitssystem viel Geld sparen. Er fordert die Schließung weiterer Kliniken. »Es gibt unverändert zu viele Krankenhäuser, wir brauchen eine Konzentration der Standorte und echte Ambulantisierung«, sagte Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der »Rheinischen Post«.

Der größte Kostentreiber seien die Krankenhäuser, hier könne und müsse gespart werden. »Mindestens jeder fünfte Klinik-Fall – die Krankenkassen sprechen gar von 60 Prozent – könnte ambulant und damit günstiger und patientenfreundlicher erledigt werden«, sagte Gassen. »Bei uns werden Operationen stationär vorgenommen, die im Rest der Welt seit Langem ambulant erbracht werden.«

Zugleich warnte der Ärztelobbyist vor weiteren Einsparungen der gesetzlichen Krankenversicherung bei Praxen. »So fahren die Kassen das System und die Versorgung der Menschen in unserem Land an die Wand«, kritisierte Gassen. Die niedergelassenen Ärzte stünden für 97 Prozent der Versorgung und nur 16 Prozent der Ausgaben.

»Sie sollen ständig mehr Aufgaben übernehmen und immer weniger Geld erhalten – ein Wahnsinn. Das werden die Ärzte und Psychotherapeuten sich nicht gefallen lassen.«

Noch mehr Praxen würden in diesem Fall schließen, warnte Gassen. »Fast 40 Prozent der Hausärzte sind bereits über 60 Jahre alt, etliche werden eben ihre Praxis dann zumachen.« Auch Fachärzte könnten ihre Leistungen einschränken, sodass es zu deutlich längeren Wartezeiten komme, so Gassen.

Forderung nach Praxisgebühr

Gassen plädiert für die Wiedereinführung einer früheren Maßnahme: Er könne sich »eine Art Praxisgebühr 2.0 vorstellen, bei der die Kassen das Geld bei den Patienten einziehen«, sagte er der Zeitung. »Zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal sind zumutbar, das ist der Preis eines Döners. Damals hat die Praxisgebühr den Kassen zwei Milliarden Euro im Jahr gebracht.«

Auch eine Zuckersteuer wie in skandinavischen Ländern könnte die Einnahmen erhöhen.

Ärztelobbyist will bei Homöopathie und Apps sparen

Einsparpotenzial sieht der Mediziner beim Thema Homöopathie und Gesundheits-Apps. 50 Millionen Euro für Homöopathie zahlen die Kassen laut Gassen aktuell pro Jahr. Diese Leistung solle gestrichen werden, fordert er. »Menschen sollen gern Globuli und Mistel-Zweige einsetzen, wenn sie daran glauben – aber nicht zulasten der Beitragszahler.« »Es gebe keine Evidenz, dass Homöopathie wirke.

Auch Gesundheits-Apps, die Versicherte nutzen können, um etwa das Rauchen aufzugeben oder Depressionen zu lindern, sieht der Ärztechef als verzichtbar an. »Bei den unter Jens Spahn eingeführten digitalen Gesundheitsanwendungen wird ohne erwiesenen Nutzen viel Geld verschwendet«, sagte er.

»Es gibt keine echte Bewertung des medizinischen Nutzens, keine Kontrolle, ob diese Anwendungen überhaupt genutzt werden.« Solche Apps hätten »zwischen 2020 und 2024 rund 234 Millionen Euro gekostet, und die Ausgaben steigen«.

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Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zeigt sich indes zuversichtlich, das Sparpaket zur Entlastung der Krankenkassen in der kommenden Woche noch durchzubringen. Es gebe gute Gespräche, sagte sie.

Derzeit hängt das für den Jahresanfang geplante Spargesetz mit geringeren Ausgaben vor allem bei den Kliniken fest. Die Länder hatten sich im Bundesrat quer gestellt – auch daher drohen bereits 2026 höhere Zusatzbeiträge für Millionen Versicherte . Über das Gesetz soll nun der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag beraten. Der Ausschuss soll am 17. Dezember zusammenkommen, zwei Tage später der Bundesrat.

Viele Krankenkassen haben ihre Zusatzbeiträge kräftig erhöht. Lesen Sie hier, woran das liegt und wie sie sich wehren können .

mmq/KNA