Das nächste Sturmtief hat sich schon angekündigt, am Wochenende bringt »Elli« noch mehr Eis und Schnee. Das dürfte in den Krankenhäusern für erhöhten Arbeitsaufwand sorgen. Dabei ist die Belastung nach tagelangem Winterwetter vielerorts ohnehin schon hoch.
»Die aktuelle Wetterlage führt zu einem deutlichen Anstieg der Patientenzahlen in den Notaufnahmen«, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gleichzeitig komme es vermehrt zu Atemwegserkrankungen, sowohl bei Patienten als auch bei Mitarbeitenden, was einen höheren Krankenstand zur Folge habe.
»All diese Faktoren zusammen führen zu einer spürbaren Mehrbelastung in den Kliniken«, warnte der Verbandschef. Auch die Hausärzte melden eine steigende Zahl von Behandlungen aufgrund von Stürzen. »Aus ersten Regionen hören wir, dass mehr Menschen wegen Glätteunfällen in die Praxen kommen«, sagte Verbandschef Markus Beier den RND-Zeitungen. Besonders häufig seien Verletzungen von Handgelenken und Hüften, aber auch Schultern und Kopf. Beier mahnte insbesondere ältere Patientinnen und Patienten zur Vorsicht.
Der Verband erwartet zudem mehr Atemwegserkrankungen. »Der Winter ist noch lang, und wir rechnen noch einmal mit einem deutlichen Anstieg der Infekte in den kommenden Wochen«, sagte Beier. »Auch die Grippewelle, die in diesem Jahr früh gestartet ist, ist voraussichtlich noch nicht vorbei.«
Der Mediziner appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Beier beklagte allerdings, dass bereits seit Mitte Dezember in einigen Regionen Influenza-Impfstoffe knapp seien.
Sturmtief »Elli« kommt mit Eis und Schnee
Die Wetterlage wird vor allem Richtung Wochenende turbulent. Zunächst gibt es am Mittwochabend und Donnerstag gebietsweise weiterhin immer wieder Niederschläge, die oft als Schnee auf den Boden fallen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte.
In der Nacht auf Freitag zieht dann ein Sturmtief auf direktem Weg nach Mitteleuropa und bringt noch mehr Schnee und Glatteis mit sich. »Sturmtief Elli übernimmt die Regie in einem echten Wetterkrimi«, kündigt DWD-Experte Adrian Leyser Sturm an.
Betroffen ist vor allem die Nordhälfte des Landes: »Im Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die zehn oder regional bis zu zwanzig Zentimeter Neuschnee zusammenkommen«, so Leyser Sturm. Dabei kann der kräftige Wind die lockere Schneedecke verwehen und zu größeren Behinderungen auf Straßen und Wegen führen. Ähnliche Schneemengen seien in den Mittelgebirgen möglich. (Lesen Sie hier mehr dazu, wie sich das Winterwetter in Deutschland und den Nachbarländern auswirkt.)
Die stürmischen und eiskalten Aussichten sorgen schon jetzt für Aufregung – und Planänderungen: In Hamburg wurden wegen des erwarteten Winterwetters mehrere Beerdigungen und Trauerfeiern abgesagt.
- »Wetterkrimi« ab Freitag: »Elli« peitscht Schnee und Sturm nach Deutschland
- Ohne Obdach in der Kälte: »Sprechen Sie die Leute freundlich an. Vielleicht retten Sie Leben« Ein Interview von Heike Le Ker
- Fahrzeuge der Obdachlosenhilfe angezündet: Zwei Kältebusse nach Brandanschlag in Berlin »komplett Schrott«
- Arbeiten bei Winterglätte: Darf ich jetzt einfach zu Hause bleiben? Von Florian Gontek
Was während der Coronapandemie schon die Regel war, kehrt aufgrund des Winterwetters nun zurück: Viele Schulen wechseln in den Distanzunterricht. Mehrere Kreise etwa in Niedersachsen kündigten an, den regulären Präsenzbetrieb nicht aufrechtzuerhalten. Einige Verwaltungen verwiesen darauf, dass trotz eines pausenlosen Einsatzes der Räumdienste die Schulbeförderung mit Bussen nicht sichergestellt werden könne.
Auch Hamburg schließt ein generelles »Schneefrei« nicht aus, wie es aus der Schulbehörde hieß. Die Einrichtungen würden spätestens am Donnerstag in einem Schulbrief noch einmal über die geltenden Regeln informiert.
Schnee und Eis können vor allem für obdachlose Menschen auf der Straße zur tödlichen Gefahr werden. Hier ist jeder und jede Einzelne gefragt, alle können etwas tun: »Sprechen Sie die Leute freundlich an. Vielleicht retten Sie Leben«, sagte Barbara Breuer von der Berliner Stadtmission zum SPIEGEL. Das gesamte Interview lesen Sie hier.
