SpOn 28.12.2025
22:20 Uhr

Kosovo-Wahl: Partei von Regierungschef Kurti laut Prognosen stärkste Kraft


Die linke Partei Vetevendosje von Ministerpräsident Albin Kurti hat die Parlamentswahl im Kosovo laut Prognosen gewonnen. Ob es für eine absolute Mehrheit reicht, ist noch offen – die politische Blockade könnte andauern.

Kosovo-Wahl: Partei von Regierungschef Kurti laut Prognosen stärkste Kraft

Die linke Vetevendosje-Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Albin Kurti liegt bei der Parlamentswahl im Kosovo vorn. Einer Prognose des Fernsehsenders Dukagjini zufolge kam sie ‌am Sonntag auf 45,7 Prozent der Stimmen. Es war jedoch zunächst unklar, ob dies für eine absolute Mehrheit von 61 Sitzen im 120-köpfigen Parlament reicht, die für eine Regierungsbildung ohne Partner notwendig wäre. Die beiden größten Oppositionsparteien, die rechte Demokratische Partei des Kosovo (PDK) und die Mitte-rechts Demokratische Liga des Kosovo (LDK), kamen demnach auf 22 und 15,6 Prozent.

Sobald das Wahlergebnis feststehe, »werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um so schnell wie möglich das Parlament zu bilden und mit der Bildung einer neuen Regierung fortzufahren«, kündigte der 50-jährige Regierungschef nach seiner Stimmabgabe am Sonntag an.

Gescheiterte Koalitionsgespräche in den vergangenen Monaten

Es ist die zweite Wahl in diesem ⁠Jahr. Nachdem ‍Kurti bei der Abstimmung im Februar eine Mehrheit verfehlt hatte, scheiterten monatelange Koalitionsgespräche. Präsidentin Vjosa Osmani löste daraufhin im November das Parlament auf und setzte die Neuwahl an. Sollte es erneut ​nicht gelingen, eine Regierung zu bilden, würde sich die politische Krise ‌zu einem kritischen ⁠Zeitpunkt verschärfen.

Das Parlament muss im April einen neuen Präsidenten wählen und Kreditvereinbarungen mit der EU und der Weltbank in Höhe von einer Milliarde Euro ratifizieren, die in den kommenden Monaten auslaufen. Die Oppositionsparteien lehnen eine Koalition mit Kurti ab. Sie ⁠kritisieren seinen Umgang mit den westlichen Verbündeten und seinen Kurs gegenüber der serbischen Minderheit im Norden des Landes.

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Der Kosovo hatte 2008 mit Unterstützung der USA seine Unabhängigkeit von ‌Serbien erklärt. Vorausgegangen war 1999 ein Nato-Bombardement ‍gegen serbische Streitkräfte, die versuchten, einen Aufstand der zu 90 Prozent albanischen Bevölkerungsmehrheit niederzuschlagen. Das 1,6-Millionen-Einwohner-Land leidet unter Armut, ‍Instabilität und organisierter Kriminalität. Spannungen mit Serbien flammten 2023 auf und veranlassten die EU, Sanktionen gegen den Kosovo zu verhängen. Die EU kündigte ‍zwar an, diese aufzuheben, nachdem in den nördlichen Gemeinden Bürgermeister der serbischen Minderheit gewählt ⁠worden ​waren. Die Maßnahmen dürften den Kosovo jedoch Hunderte Millionen Euro gekostet haben.

lph/AFP/Reuters