Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Freitag eine Flasche geworfen – und das ganz offiziell: Er eröffnete in Graz die neue Koralmbahn und zerschmetterte zu diesem Zweck eine grüne Pulle an der zugehörigen Lok. Die neue Bahnstrecke verkürzt die Reisezeit zwischen Graz und dem rund 130 Kilometer entfernten Klagenfurt auf nicht einmal eine Dreiviertelstunde.
Bislang war man zwischen den beiden österreichischen Großstädten knapp drei Stunden mit dem Zug oder zwei Stunden mit dem Bus unterwegs. Die Zeitersparnis ist auch auf den neu gebauten Tunnel der Koralmbahn zurückzuführen: Der ist rund 33 Kilometer lang und damit einer der längsten Eisenbahntunnel weltweit. Insgesamt führen 50 Kilometer der Koralmbahn durch Tunnel. Im Zuge des Projekts wurden auch mehr als 100 Brücken gebaut.
Eröffnungsfahrten der Koralmbahn vertagt
Kurz nach der Eröffnung durch Van der Bellen stand der Verkehr allerdings direkt wieder still: Aufgrund von Staubentwicklung auf der steirischen Seite des Koralmtunnels musste die ÖBB den Betrieb unterbrechen, die Feuerwehr rückte an. Für die ersten Fahrten auf der neuen Strecke hatte die Bahn laut »Kronenzeitung« 5500 Tickets aufgelegt. Vonseiten der ÖBB hieß es, dass zunächst noch Kontrollfahrten im Tunnel durchgeführt werden müssten. Dadurch verzögerte sich die erste Shuttlefahrt.
Das Projekt kostet nach Angaben der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) rund 5,9 Milliarden Euro, davon steuerte die EU mehr als 600 Millionen Euro bei.
Die volle Wirkung der Koralmbahn werde sich endgültig mit der Fertigstellung weiterer Großprojekte entfalten, so die ÖBB. Dazu gehört der Semmeringbasistunnel, der von 2030 an die Bahnverbindung zwischen Wien und Graz deutlich beschleunigen soll.
Aber warum bekommen die Österreicher einen funktionierenden Schienenverkehr hin und wir nicht? Das erfahren Sie in diesem Interview.
