SpOn 25.02.2026
15:38 Uhr

Koblenz: Verdächtiger im Fall Amy Lopez schweigt


Die junge US-Amerikanerin Amy Lopez wurde vor mehr als dreißig Jahren getötet. Vor wenigen Tagen nahm die Polizei einen Verdächtigen im Seniorenheim fest. Der Mann soll aus sexuellen Motiven gehandelt haben.

Koblenz: Verdächtiger im Fall Amy Lopez schweigt

Sie kam als Touristin nach Deutschland, beim Besuch einer Festung in Koblenz wurde sie ermordet: Der Fall Amy Lopez galt mehr als drei Jahrzehnte lang als ungelöst. Am vergangenen Montag dann die Wendung: Die Polizei nahm einen 81-Jährigen fest. Nun hat sich die Polizei erstmals zu möglichen Hintergründen geäußert.

Demnach soll der Tatverdächtige aus sexuellen Motiven gehandelt haben. Das 24-jährige Opfer sei nach der Tat im Jahr 1994 im unteren Körperbereich nicht mehr bekleidet gewesen, sagte Mario Mannweiler von der Staatsanwaltschaft Koblenz. »Der Slip fehlte.« Es werde davon ausgegangen, dass der Täter diesen mitgenommen habe.

Die junge Frau sei sexuell missbraucht worden, berichtete der Ermittler weiter. Sie sei stranguliert worden, man habe ihr mit einem Stein gegen den Kopf geschlagen und sie mit mehreren Messerstichen traktiert. An diesen sei Amy Lopez schließlich gestorben. Die Ermittler gehen von einem Sexualmord aus. Sie sehen mindestens zwei Mordmerkmale: Heimtücke und Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebs.

Der Fall galt jahrzehntelang als ungelöst

Von einem Täter in dem Fall fehlte viele Jahre lang jede Spur. Dann tauchten 2024 bei der Überarbeitung des Falls mit modernen Methoden männliche DNA-Spuren an Asservaten auf. Vor wenigen Tagen nahm die Polizei dann einen mittlerweile 81 Jahre alten Mann an seinem Wohnort, einem Koblenzer Seniorenheim, fest. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler (l.)

Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler (l.)

Foto: Thomas Frey / dpa

Der Verdächtige sei bereits strafrechtlich einschlägig in Erscheinung getreten und habe auch schon längere Freiheitsstrafen verbüßt, sagte Mannweiler weiter. Bislang habe sich der 81-Jährige aber nicht zu den Vorwürfen geäußert. Allerdings: Er habe die Tat bei seiner Festnahme auch nicht spontan bestritten, so Mannweiler weiter. »Er hat sich überhaupt nicht erklärt.«

Der Verdächtige habe auch zur Tatzeit in der Region um Koblenz gelebt. Er sei dort zwar nicht geboren, aber er habe einen großen Teil seines Lebens hier verbracht, sagte Mannweiler. Überführt habe man ihn mittels DNA, die entscheidende Spur wurde an der Innenseite der Jeans des Opfers gefunden und deute auf den Verdächtigen hin. Das Verfahren sei aber noch nicht abgeschlossen, sagte Mannweiler.

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Opfer wurde am Aufstieg zur Festung gefunden

Die damals 24 Jahre alte Amy Lopez wurde am 26. September 1994 unterhalb der Festung Ehrenbreitstein ermordet. Laut der Koblenzer Staatsanwaltschaft war die junge Frau damals mit dem Bus zu einer Besichtigung der Festung aufgebrochen. Dort kam sie aber nie an.

Treppe zum General-von-Aster-Zimmer

Treppe zum General-von-Aster-Zimmer

Foto: Thomas Frey / dpa

Kurz nach der Tat fanden spielende Kinder die Leiche der sexuell missbrauchten 24-Jährigen am Aufstieg – genauer gesagt am sogenannten General-von-Aster-Zimmer, dem früheren Arbeitszimmer des preußischen Generals Ernst Ludwig von Aster (1778–1855), einer Art Lost Place an einem Pfad auf halber Höhe. Der General war Ingenieur und Festungsbaumeister und ließ sich einst am Südhang einen Turm errichten, in dem er arbeitete.

Wie die Studentin zu dem Tatort kam, ist ungeklärt. Der Vater des Opfers lebt noch in den USA. Die Ermittler haben nach der Festnahme des 81-Jährigen über Videokonferenz mit ihm Kontakt aufgenommen.

In Deutschland gibt es derzeit mehrere Tausend ungeklärte Altfälle. Immer mehr Bundesländer richten deshalb sogenannte Cold-Case-Units ein. Eine SPIEGEL-Recherche zeigt, wie mühsam die Arbeit der Spezialermittler ist. Den ganzen Text lesen Sie hier. 

mkh/dpa