SpOn 02.01.2026
18:18 Uhr

Klimakrise: ADAC-Präsident bekennt sich zum Klimaschutz – und erntet Shitstorm


Der Autofahrerklub ADAC bekommt Frust von Mitgliedern zu spüren: Präsident Hillebrand hatte eine bekannte Position zu Spritpreisen wiederholt, die nun aber Wellen schlägt. Er sieht sich verkürzt zitiert.

Klimakrise: ADAC-Präsident bekennt sich zum Klimaschutz – und erntet Shitstorm

Zahlreiche Mitglieder haben den Autofahrerklub ADAC verlassen, nachdem sich dessen Präsident Gerhard Hillebrand für eine höhere CO₂-Bepreisung von Benzin ausgesprochen hat. »Die Zahl der Austritte umfasst aktuell eine mittlere vierstellige Zahl«, teilte eine Sprecherin mit. Zuvor hatte unter anderem die »Bild«-Zeitung von Unmut unter Mitgliedern berichtet. Mitglieder hätten Kündigungsschreiben in sozialen Medien gepostet. Der ADAC wuchs nach eigener Aussage im vergangenen Jahr um 490.000 Mitglieder auf 22,7 Millionen.

Kurz vor Weihnachten hatte Hillebrand in der »Neuen Osnabrücker Zeitung« gefordert, dass der Emissionshandel wie geplant auf den Verkehr ausgeweitet werden solle: »Der ADAC hält die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen«, sagte er. »Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.«

Zudem hatte er davor gewarnt, dass die Klimaschutzziele gelockert werden: »Europa muss an ehrgeizigen CO₂-Minderungszielen festhalten, denn wir müssen die Erderwärmung begrenzen«, sagte er. »Dazu bekennt sich der ADAC ganz klar.«

Gegen höhere Belastung

Der ADAC spricht sich schon länger für den CO₂-Emissionshandel im Straßenverkehr aus. »Deutschland sollte sich für die gesellschaftliche Akzeptanz und die politische Stabilität des europäischen CO₂-Emissionshandels (ETS II) einsetzen«, heißt es etwa im ADAC Mobilitätsindex  vom Oktober 2025. Der Mechanismus verteuert Sprit schrittweise, wodurch sparsame Verbrenner sowie Elektro-Pkw attraktiver werden. Er gilt auch als Gegenmodell zu einem harten Verbot von Pkw mit Verbrennungsmotor.

Mit dem Jahreswechsel ist der CO₂-Preis von 55 Euro pro Tonne auf 55 bis 65 Euro pro Tonne gestiegen. Das hat das Tanken deutlich verteuert. Ein Liter Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags laut ADAC 1,709 Euro. Das waren 3,4 Cent mehr als am 31. Dezember. Bei Diesel ging es um vier Cent auf 1,658 Euro pro Liter nach oben.

Ab 2027 sollten Brennstoffe wie Benzin und Erdgas in den europäischen Emissionshandel einbezogen werden, der Preis würde sich dann also durch Angebot und Nachfrage bilden und könnte kräftig steigen. Doch dieser Schritt kommt wahrscheinlich erst 2028, darauf haben sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten verständigt. Zudem hat sich die EU-Kommission kürzlich darauf geeinigt, dass das geplante Verkaufsverbot für Verbrenner ab dem Jahr 2035 aufgeweicht werden soll.

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Die Position des Präsidenten sei in Schlagzeilen verkürzt wiedergegeben worden, teilte der ADAC mit. Der ADAC sei gegen eine höhere Belastung von Autofahrern. Man fordere, den CO₂-Preis mit Entlastungen und Kompensationen zu kombinieren.

»Ein höherer CO₂-Preis findet damit nur dann die Akzeptanz des ADAC sowie von Verbrauchern, wenn die Politik zuerst ausreichende Entlastungen und mehr Alternativen zu fossiler Energie schafft.« Mit der zum Jahreswechsel erhöhten Entfernungspauschale habe die Koalition »auch aufgrund intensiven Werbens des ADAC« einen Schritt in diese Richtung unternommen.

msk/nis