SpOn 01.12.2025
15:27 Uhr

Kinderspielzeug: Forscher warnen vor Gesundheitsrisiken durch hormonaktive Stoffe


In manchen Spielzeugwaren stecken hormonaktive Stoffe, die Kinder gefährden können, besonders in alten oder billigen Produkten. Experten geben Tipps, worauf Eltern achten können und verlangen strengere Kontrollen.

Kinderspielzeug: Forscher warnen vor Gesundheitsrisiken durch hormonaktive Stoffe

Kurz vor Weihnachten warnen Fachärzte vor Risiken im Kinderzimmer: In vielen Spielzeugen stecken gefährliche Chemikalien, die den Hormonhaushalt von Kindern stören können. Besonders kleine Kinder seien gefährdet, weil sie Spielsachen häufig in der Hand oder im Mund haben, schreibt die laut Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) .

Endokrinologen – also Fachärztinnen und Fachärzte, die sich mit Hormonen und Stoffwechselvorgängen im Körper beschäftigen – sprechen von sogenannten »endokrinen Disruptoren«. Diese Stoffe bringen den sensiblen Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht. Sie stecken demnach in Kunststoffen, Lacken, Beschichtungen oder Textilien und wurden wiederholt in Spielwaren nachgewiesen.

»Selbst kleinste Mengen können die körpereigenen Signale durcheinanderbringen«, erklärt Josef Köhrle von der Berliner Charité. Für Kinder sei das besonders bedenklich, weil ihre Haut und Schleimhäute noch empfindlich sind. Das ständige Anfassen oder In-den-Mund-Nehmen von Spielzeug könne die Belastung zusätzlich erhöhen.

Hormone steuern fast alle lebenswichtigen Prozesse im Körper: Wachstum, Stoffwechsel, Fortpflanzung, Stimmung, Pubertätsentwicklung und sogar das Immunsystem. Dringen solche Substanzen aus dem Spielzeug über die Haut, Mund oder den Atem in den Körper ein, können die Steuermechanismen durcheinandergeraten. Das passiert teils schon in sehr kleinen Mengen – vorwiegend bei Kindern, deren Körper und Organe sich noch entwickeln.

Die Stoffe können die Ausschüttung oder Wirkung von Östrogen, Testosteron oder Schilddrüsenhormonen beeinflussen; möglich sind auch eine beeinträchtigte Gehirnentwicklung und in der Folge etwa Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten sowie ein erhöhtes Risiko von hormonabhängigen Krebserkrankungen wie Brust- oder Hodenkrebs.

Spielzeug mit stechendem Geruch meiden

Facharzt Köhrle warnt besonders vor Billigwaren aus dem Internet. »Immer wieder tauchen auf großen Onlinemarktplätzen Produkte auf, die deutlich zu viele Schadstoffe enthalten«, sagt er. Eltern sollten daher gezielt auf Qualität achten – auf geprüfte Markenprodukte statt auf vermeintliche Schnäppchen.

Die DGE empfiehlt, Spielzeug mit stechendem oder chemischem Geruch zu meiden, neue Artikel vor der ersten Verwendung gründlich auszulüften und waschbare Produkte zu reinigen. Auch alte Kunststoffspielsachen aus zweiter Hand könnten belastet sein – oft sogar mit Substanzen, die in der EU längst verboten sind. Wer auf Nummer sicher gehen wolle, könne vor dem Kauf in Rückrufdatenbanken nachsehen.

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Köhrle betont, Eltern könnten zwar viel tun, um ihre Kinder zu schützen – das reiche aber nicht aus. »Wir brauchen klare Regeln und strengere Kontrollen, damit gesundheitsgefährdendes Spielzeug gar nicht erst verkauft wird«, sagt der Experte. »Nur so können wir verhindern, dass Weihnachten zur Belastungsprobe für die Kleinsten wird.«

sug/afp