SpOn 30.12.2025
07:06 Uhr

Khaleda Zia: Ex-Premierministerin von Bangladesch ist tot


Im Februar wird in Bangladesch gewählt, die Lage ist angespannt. Nun ist die frühere Regierungschefin Khaleda Zia im Alter von 80 Jahren gestorben. Ihr Sohn könnte sie politisch beerben.

Khaleda Zia: Ex-Premierministerin von Bangladesch ist tot

Bangladeschs ehemalige Ministerpräsidentin Khaleda Zia ist tot. Sie starb am Dienstag im Alter von ‌80 Jahren nach langer Krankheit. Das teilte ihre Partei, die Bangladesh Nationalist Party (BNP), mit. Wie das Portal »Dhaka Tribune« unter Berufung auf ihren Arzt berichtete, starb Zia während der Behandlung in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Dhaka.

Zia war 1991 die erste ‍Frau, die zur Ministerpräsidentin von Bangladesch gewählt wurde. Sie regierte bis 1996 und ‍erneut von 2001 bis 2006. Ihre politische Karriere begann, nachdem ihr Ehemann, der damalige Präsident Ziaur Rahman, ‍1981 bei einem Putschversuch ermordet worden war.

Die langjährige Spitzenpolitikerin war lokalen Medien zufolge bereits seit November in stationärer Behandlung gewesen. Laut der Nachrichtenagentur Bangladesh Sangbad Sangstha wurden Infektionen am Herzen und in der Lunge festgestellt. Die Politikerin litt Berichten zufolge seit Langem an verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden. Laut der Nachrichtenagentur AFP wollte sie bei der für Februar 2026 angesetzten Parlamentswahl dennoch für einen Parlamentssitz kandidieren.

Zias Sohn könnte neuer Regierungschef werden

Zias Tod fällt nun in eine politisch äußerst angespannte Zeit für das südasiatische Land, die Wahl im Februar dürfte richtungsweisend werden. In Dhaka regiert ‍seit dem Sturz von Zias langjähriger Rivalin Sheikh Hasina eine Interimsregierung unter der Führung des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus.

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Die Politik in dem 175-Millionen-Einwohner-Land ⁠wurde jahrzehntelang von der Rivalität zwischen Zia und der im August 2024 entmachteten Sheikh Hasina geprägt. Die beiden Frauen wechselten sich über Jahrzehnte an der Macht ab.

Die BNP gilt bei dieser Wahl als Favoritin. Zias Sohn, Tarique Rahman, kehrte vergangene Woche nach 17 ‌Jahren im Exil zurück und wird als möglicher Nachfolger und künftiger Regierungschef gehandelt.

Jahrzehntelange Rivalität mit Sheikh Hasina

Hasina war nach von Studenten angeführten Massenprotesten abgesetzt ‌worden und nach Indien geflohen. Zia, die ⁠wegen Korruptionsvorwürfen jahrelang im Gefängnis und unter Hausarrest gestanden hatte, kam nach dem Umsturz frei. Anfang 2025 wurden sie und ihr Sohn von den Vorwürfen freigesprochen. (Lesen Sie hier ein SPIEGEL-Interview mit Hasina aus dem Jahr 2004, in dem diese Zia mit schweren Vorwürfen überzog.)

Sheikh Hasina war im November in Dhaka in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Ein Tribunal mit drei Richtern befand Hasina für schuldig, die Niederschlagung der Studierendenproteste mit mehr als 1400 Toten angeordnet zu haben.

Hasinas Auslieferung unwahrscheinlich

Auch eine Untersuchung des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte hatte Hasina schwer belastet. Demnach wusste die politische Führung nicht nur von den Ereignissen, sondern ordnete die Gewalt an, insbesondere die Premierministerin und ihr ebenfalls angeklagter Innenminister Asaduzzaman Khan. Auch er wurde zum Tode verurteilt. Eine Auslieferung Hasinas durch Indien gilt jedoch als unwahrscheinlich.

In einer Erklärung nach dem Urteil hatte Hasina den Prozess als »Schauprozess« bezeichnet: Das Urteil sei »voreingenommen und politisch motiviert«. Sie sei »stolz auf die Bilanz ihrer Regierung in den Bereichen Menschenrechte und Entwicklung«.

Tatsächlich bezweifeln internationale Beobachter und Menschenrechtsorganisationen, dass es sich um einen fairen Prozess gehandelt hat. Die Kritik an dem Verfahren dürfte jedoch nicht dazu benutzt werden, die Handlungen von Hasina oder von Teilen der Sicherheitskräfte zu verharmlosen, sagt etwa der Bangladesch-Experte Thomas Kean von der Organisation International Crisis Group.

fek/dpa/Reuters