SpOn 08.12.2025
14:15 Uhr

Karlsruhe: Landeskriminalamt kappt mehr als 3500 Rufnummern von mutmaßlichen Betrügern


Im Visier waren Anlagebetrüger, Enkeltrick-Kriminelle und falsche Polizisten: Ermittler haben Tausende Betrugsnummern abgeschaltet. Das Landeskriminalamt warnt vor besonders aktiven Betrügern in der Weihnachtszeit.

Karlsruhe: Landeskriminalamt kappt mehr als 3500 Rufnummern von mutmaßlichen Betrügern

In Kempten hat eine aufmerksame Enkelin ihre 78 Jahre alte Großmutter vor einem Telefonbetrug bewahrt. Unbekannte hatten die Frau zuvor mit einem Schockanruf unter Druck gesetzt und behauptet, ihre Tochter habe einen schweren Unfall verursacht und müsse eine Kaution zahlen. Die Enkelin alarmierte sofort die Polizei, wie die Kriminalpolizei Kempten mitteilte. Der Mann, der die vermeintliche Kaution abholen wollte, wurde bei der Übergabe festgenommen.

Im Kampf gegen solche Telefonbetrüger, Enkeltrick-Kriminelle und falsche Polizisten ist den Ermittlern nun nach eigenen Angaben ein großer Schlag gelungen. Bis Anfang Dezember seien mehr als 3500, überwiegend deutsche Nummern ausgemacht worden, über die mutmaßlich Telefonate mit Opfern geführt worden seien. Diese Festnetz-, Handy- und Internetnummern wurden inzwischen abgeschaltet. Zusätzlich seien gut 350 österreichische Nummern in Abstimmung mit den Wiener Behörden vom Netz genommen worden.

»Kriminelle Dienstleister« im Visier

Das teilten das bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe eingerichtete Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg, das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gemeinsam mit. Die Infrastruktur der mutmaßlichen Cyberkriminellen sei erheblich geschwächt worden.

Die Ermittler nahmen demnach Rufnummern ins Visier, die im Zusammenhang mit betrügerischen Onlineplattformen stehen sollen. Das Ziel der Operation »Herakles« sei es, die technische Infrastruktur, die Cyberbetrüger zur Umsetzung ihrer Taten nutzten, langfristig zu zerstören. Bereits im Juni und Oktober dieses Jahres waren mehr als 2200 Internetseiten abgeschaltet worden, die Menschen zu vermeintlichen Investitionen auf manipulierten Handelsplattformen verleiten sollten.

Deutschland soll für Betrüger unwirtschaftlich werden

Beim Online-Anlagebetrug handeln die meist unbekannten Täter international und arbeitsteilig. So sollen möglichst viele Anleger in die Falle gelockt werden. Rufnummern werden demnach vielfach an Betrugsnetzwerke vermietet und massenweise genutzt, um Straftaten zu begehen. Mit der Nummernabschaltung wurden Generalstaatsanwalt Jürgen Gremmelmaier zufolge Tausende potenzielle Betrugsversuche verhindert. So entziehe man den Cyberkriminellen aktiv die Grundlage ihres Handelns.

Der Präsident des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, Andreas Stenger, betonte die strategische Wirkung der Operation: »Um dagegenzuhalten, müssen die Täter einen immensen organisatorischen Aufwand betreiben, der mit erheblichen Kosten verbunden ist«, teilte er mit. Deutschland solle so für solche Dienste unwirtschaftlich und dadurch unattraktiv werden.

Mehr zum Thema

Weihnachten ist Betrugszeit

Das Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz warnt vor allem vor Einbrüchen in der dunklen Jahreszeit. Vor Weihnachten gebe es aber auch häufig Betrugsversuche durch Werbeanrufe für Geldspenden übers Telefon, über Phishingmails oder SMS. In den betrügerischen Nachrichten heiße es etwa: »Sie müssen noch Zollgebühren bezahlen oder noch mal mit Ihrer Kreditkarte verifizieren!«. Dann nicht auf den Link klicken und die Mail löschen, rät der Experte.

Mehr zum System der Schockanrufe lesen sie hier .

mgr/dpa