Ein Flugzeug der Airline Jet Blue ist über der Karibik offenbar nur knapp einem Zusammenstoß mit einem Tankflugzeug der US-Luftwaffe entgangen. Das berichten mehrere Medien, darunter die Nachrichtenagentur AP und die »New York Times« unter Berufung auf Aussagen des Piloten der Passagiermaschine über Funk.
Er warf der Besatzung des Militärflugzeugs vor, die Position der Maschine nicht übermittelt zu haben. »Sie haben ihren Transponder nicht eingeschaltet, das ist unerhört«, sagte der Pilot den Berichten zufolge über Funk zu einem Fluglotsen. »Wir hatten hier oben fast eine Kollision in der Luft.« Transponder sind Funksender, die der Flugsicherung helfen, einen Jet zu identifizieren.
Um den Zusammenstoß zu vermeiden, habe er den Steigflug abbrechen müssen, erklärte der Pilot. Flugdaten zeigen, dass das Flugzeug etwa 20 Minuten nach dem Start auf gleicher Höhe weiterflog, obwohl es seine Reiseflughöhe noch nicht erreicht hatte.
Offene Fragen
Der Flug 1112 der US-Fluggesellschaft JetBlue war demnach am Freitag von dem kleinen Karibikstaat Curaçao nach New York unterwegs, als es zu dem Vorfall kam. Die US-Luftwaffe reagierte bislang nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AP zu dem Vorfall. Ein Sprecher von JetBlue teilte mit: »Wir haben diesen Vorfall den Bundesbehörden gemeldet und werden uns an den Ermittlungen beteiligen.«
Laut »New York Times« ist unklar, ob der Pilot das Militärflugzeug mit eigenen Augen gesehen hat oder ob er von einem Sensor an seiner Maschine gewarnt wurde. Dem Bericht der Zeitung zufolge soll es sich nicht um einen Einzelfall handeln, sondern weitere Fälle geben, in denen US-Militärmaschinen ohne eingeschalteten Transponder unterwegs gewesen seien.
Konflikt zwischen Venezuela und den USA
Curaçao liegt etwa 65 Kilometer von der venezolanischen Küste entfernt. Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration hatte im vergangenen Monat eine Warnung für US-Flugzeuge herausgegeben. Darin werden die Piloten zur Vorsicht gemahnt, wenn sie sich im venezolanischen Luftraum aufhalten. Grund sei die »sich verschlechternde Sicherheitslage und die erhöhten militärischen Aktivitäten in oder um Venezuela«. US-Präsident Donald Trump erklärte den Luftraum gar für »geschlossen«.
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Die Konflikte zwischen den USA und Venezuela hatten sich in den vergangenen Monaten verschärft. Seit September greift die US-Armee immer wieder Boote angeblicher Drogenschmuggler in der Karibik und im Ostpazifik an. Dabei wurden bislang Dutzende Menschen getötet. Beweise für eine Verbindung der versenkten Boote zum Drogenschmuggel legten die USA nicht vor.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump wirft Venezuela vor, den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten aktiv zu fördern und damit die Sicherheit der USA und ihrer Bürger zu gefährden. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro vermutet dagegen US-Pläne zu seinem Sturz.
