SpOn 10.02.2026
16:13 Uhr

Kanada: Tyrannoroter heberti war einer der ersten Pflanzenfresser


Forschende haben den versteinerten Schädel eines Mikrosauriers aus dem Karbon-Zeitalter analysiert und dabei eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Die Kreatur konnte offenbar Pflanzen kauen.

Kanada: Tyrannoroter heberti war einer der ersten Pflanzenfresser

Sie war etwa 30 Zentimeter lang und hatte ein Maul voller Zähne: Vor etwa 307 Millionen Jahren durchstreifte eine Kreatur mit außergewöhnlichen Essgewohnheiten die Erde, zeigt eine neue Studie. Anders als andere Landwirbeltiere aus dieser Zeit fraß Tyrannoroter heberti – wie Wissenschaftler den Mikrosaurier tauften –, offenbar nicht nur andere Tiere, sondern auch Pflanzen. Ein Novum für diese Zeit.

Lange spielte sich das Leben auf der Erde in den Ozeanen ab. Erst vor gut 475 Millionen Jahren überlebten die ersten Pflanzen auch an Land, es dauerte weitere hundert Millionen Jahre, bis ihnen die ersten Wirbeltiere folgten. Pflanzliche Nahrung verschmähten die Landbewohner allerdings zunächst. Sie fraßen sich lieber gegenseitig.

Uralter Verwandter des Menschen

Tyrannoroter heberti dürfte eines der ersten Landwirbeltiere der Welt gewesen sein, die auch Farn kauen konnten, berichtet ein internationales Forschungsteam im Fachblatt »Nature Ecology & Evolution« .

Die Wissenschaftler hatten den versteinerten Schädel der Kreatur mittels Computertomografie (CT) untersucht und darin ein spezialisiertes Gebiss mit einer zusätzlichen Zahnreihe am Gaumen entdeckt, das sich laut den Forschenden hervorragend eignet, um Pflanzen zu zerquetschen. »Das zeigt, dass das Fressen von Pflanzen bis zu den frühesten landlebenden Tetrapoden zurückreicht – den uralten Verwandten aller Landwirbeltiere, uns eingeschlossen«, sagt Studienautor Arjan Mann, Experte für frühe Tetrapoden vom Field Museum in Chicago.

Allerdings hat der Mikrosaurier wahrscheinlich nicht ausschließlich Pflanzen verschlungen, sondern wahrscheinlich auch kleinere Tiere wie Insekten. Erhalten geblieben ist von Tyrannoroter heberti bislang nur ein versteinerter Schädel. Aus Überresten von artverwandten Lebewesen schließen die Wissenschaftler jedoch, dass die Kreatur zu Lebzeiten etwa 30 Zentimeter lang gewesen sein muss.

Vom Aussehen eine Echse

Sein Aussehen erinnert an heute lebende Eidechsen – allerdings lebte Tyrannoroter heberti, lange bevor sich die Vorfahren von Reptilien und Säugetieren voneinander abspalteten. Die Urzeitkreatur ist deshalb streng genommen kein Reptil.

Entdeckt wurde das Fossil im Jahr 2023 auf der kanadischen Kap-Breton-Insel im Nordatlantik vom Hobbypaläontologen Brian Hebert, nach ihm wurde das Urzeittier benannt. Auf Deutsch lässt sich Tyrannoroter heberti am ehesten als »Heberts Tyrannengräber« übersetzen – eine Anspielung auf die schwierigen Bedingungen bei der Bergung.

Mehr zum Thema

Denn in der kanadischen Provinz Nova Scotia herrscht ein außergewöhnlich starker Tidenhub im Wechsel der Gezeiten. »Wenn wir dort arbeiten, arbeiten wir gegen die Flut«, sagt Experte Mann. »Es ist sehr felsig, und die Fossilien stecken in den Klippen am Ufer.« Die Paläontologinnen und Paläontologen müssten ständig aufpassen, dass sie nicht von herabfallenden Brocken aus den Klippen getroffen werden.

Laut den Forschenden gehört Tyrannoroter heberti in die zweite Phase der Landanpassung. Anders als Fleischflosser, die wahrscheinlich die ersten Wirbeltiere waren, die sich an Land trauten, konnte er dauerhaft an Land leben.

Sie interessieren sich für Evolution? Vor knapp 800.000 Jahren lebte in einer marokkanischen Höhle eine Urmenschengruppe, von der die gesamte Menschheit abstammen könnte. Mehr dazu lesen Sie hier.

koe