SpOn 21.02.2026
21:40 Uhr

Kanada: OpenAI erwog, Verdächtige Monate vor Amoklauf bei Polizei zu melden


OpenAI entdeckte bei einer kanadischen Nutzerin Hinweise auf mögliche Gewalttaten, meldete dies jedoch nicht der Polizei. Monate später tötete sie bei dem Amoklauf in Tumbler Ridge acht Menschen.

Kanada: OpenAI erwog, Verdächtige Monate vor Amoklauf bei Polizei zu melden

Der ChatGPT-Hersteller OpenAI teilte am Freitag mit, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr darüber nachgedacht habe, die kanadische Polizei über die besorgniserregenden Onlineaktivitäten einer Nutzerin zu informieren. Tat es jedoch nicht. Monate später verübte die Person einen der schlimmsten Amokläufe an einer Schule in der Geschichte des Landes. Die 18-Jährige tötete im Februar dieses Jahres in Tumbler Ridge, British Columbia, acht Menschen und danach sich selbst.

Die kanadische Polizei teilte mit, dass sie zunächst ihre Mutter und ihren Stiefbruder im Elternhaus getötet habe, bevor sie die nahe gelegene Schule angriff. Sie hatte zuvor Kontakte zur Polizei und psychischen Gesundheitsdiensten gehabt.

OpenAI sperrte ihr Konto schon im Juni 2025

Das Technologieunternehmen aus San Francisco erklärte, dass das Unternehmen im Juni vergangenen Jahres das Konto der Nutzerin im Rahmen von Maßnahmen zur Erkennung von Regelverstößen wegen der »Förderung gewalttätiger Aktivitäten« identifiziert habe. OpenAI sagte, man habe erwogen, das Konto der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) zu melden, habe aber entschieden, dass die Aktivitäten des Kontos nicht die Anforderungen für eine Meldung an die Strafverfolgungsbehörden erfüllten. OpenAI sperrte das Konto jedoch im Juni 2025 wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen.

OpenAI erklärte, dass die Schwelle für die Meldung eines Nutzers an die Strafverfolgungsbehörden darin bestehe, ob ein »unmittelbares und glaubwürdiges Risiko ernsthafter körperlicher Schäden für andere« vorliege. Das Unternehmen sagte, es habe keine glaubwürdigen oder unmittelbaren Planungen erkannt. Zunächst berichtete das »Wall Street Journal« über die Enthüllung von OpenAI.

»Unsere Gedanken sind bei allen, die von der Tragödie in Tumbler Ridge betroffen sind. Wir haben proaktiv die Royal Canadian Mounted Police mit Informationen über die Person und ihre Nutzung von ChatGPT kontaktiert und werden deren Ermittlungen weiterhin unterstützen«, sagte ein OpenAI-Sprecher. RCMP-Stabssergeant Kris Clark bestätigte am Freitag, dass OpenAI nach den Schüssen die Polizei kontaktiert habe. Clark sagte, dass »eine gründliche Überprüfung der Inhalte auf elektronischen Geräten sowie der sozialen Medien und Onlineaktivitäten« der 18-Jährigen durchgeführt werde.

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Die Stadt Tumbler Ridge mit 2700 Einwohnern in den kanadischen Rockies liegt mehr als tausend Kilometer nordöstlich von Vancouver, in der Nähe der Provinzgrenze zu Alberta. Die Polizei teilte mit, dass zu den Opfern eine 39-jährige Lehrassistentin und fünf Schüler im Alter von 12 bis 13 Jahren gehörten. Der Angriff war der tödlichste Amoklauf in Kanada seit 2020, als ein Schütze in Nova Scotia 13 Menschen tötete und Brände legte, bei denen weitere neun starben.

mgr/AP