SpOn 09.02.2026
15:01 Uhr

Kaiserslautern: ACC will kein Batteriezellwerk mehr bauen


Erst Northvolt, dann Cellforce und nun ACC: Trotz Elektrowende in der Automobilindustrie endet ein weiteres prominentes Batteriezellprojekt. Obwohl Projekt und Standort zuvor mit Hunderten Millionen Euro gefördert wurden.

Kaiserslautern: ACC will kein Batteriezellwerk mehr bauen

Die geplante Gigafactory für Batteriezellen von ACC in Kaiserslautern galt als Vorzeigebeispiel für Elektromobilität made in Germany. Nun hat das Gemeinschaftsunternehmen den milliardenschweren Plänen in der rheinland-pfälzischen Stadt den Stecker gezogen.

Die bereits im Jahr 2024 pausierten Standorte in Deutschland und Italien rechneten sich nicht mehr, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens, hinter dem die Konzerne Stellantis (Peugeot, Opel, Fiat), Mercedes-Benz und Total Energies stecken.

Dabei hatte der Staat das Projekt am kriselnden Opel-Standort Kaiserslautern mit viel Steuergeld unterstützt: Im September 2021 hatten der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) einen Förderbescheid über rund 437 Millionen Euro überreicht. Insgesamt sollten früheren Berichten zufolge 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro investiert werden. Rund 2000 Arbeitsplätze sollten entstehen.

Dreyer und Altmaier überreichen Förderbescheid

Dreyer und Altmaier überreichen Förderbescheid

Foto: Oliver Dietze / picture alliance / dpa

Als Hintergrund für das Aus gilt die anhaltend schwache Nachfrage ⁠nach Elektroautos in Europa sowie der massive Kurseinbruch bei Stellantis. Der VW-Konkurrent hatte in der vergangenen Woche Abschreibungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro bekannt gegeben und an der Börse einen beispiellosen Kurssturz erlitten. Anders als Kaiserslautern soll der französische Standort Billy-Bercleau/Douvrin jedoch als »primärer Innovationshub« bestehen bleiben.

IG Metall: »Irrational und verantwortungslos«

Die Fabrik in Kaiserslautern ist nicht das einzige große Batteriezellprojekt, das hierzulande in jüngerer Zeit gescheitert ist. Dem schwedischen Start-up Northvolt misslang auch in Deutschland der Aufbau einer europäischen Batteriezellfertigung, das Unternehmen meldete Insolvenz an – obwohl es hierfür ebenfalls umfassende staatliche Förderung gab . Der schwäbische Sportwagenbauer Porsche wiederum hat unlängst das weitgehende Aus für sein Batterie-Tochterunternehmen Cellforce angekündigt .

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Im Fall von ACC in Kaiserslautern will das Unternehmen nun mit den Gewerkschaften über die Einstellung sprechen – wie beim Partnerprojekt im italienischen Termoli. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirkschef Jörg Köhlinger bezeichnete das Vorgehen als »irrational und verantwortungslos«. Widerstandsfähige Lieferketten entstünden so nicht. Jahrelang hätten sich Betriebsräte und IG Metall für die Ansiedlung eingesetzt, sagte der Gewerkschafter. »Wir haben innovative tarifliche Regelungen getroffen, mit denen wir dem Unternehmen weit entgegengekommen sind. Und jetzt will ACC den Abgesang einleiten.«

Der Sender SWR berichtete unter Berufung auf den deutschen ACC-Betriebsrat von zuletzt 90 Mitarbeitern, die mit dem Aufbau des Werks in Kaiserslautern betraut waren.

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apr/dpa