Musik kann eine wohltuende Wirkung haben und unsere Psyche beeinflussen. Therapeuten nutzen diese Kraft daher seit Jahrzehnten in Behandlungen. Mithilfe von Musik können Patienten, die etwa an Depressionen oder Angststörungen leiden, ihre Gefühle besser ausdrücken. Musik kann entspannen, Emotionen lösen oder auslösen.
Doch wie fast überall sind auch in China die Therapieplätze knapp. Wer dort einen Therapieplatz sucht, muss lange warten. Auf 100.000 Menschen kamen in China im Jahr 2021 gerade einmal sieben Psychiater. Für viele Chinesinnen und Chinesen ist die Behandlung zudem zu teuer. Der 31-jährige Ren Shihong will daran etwas ändern.
Programmierer Ren Shihong mit Testpatientin: »Das ist deine Deltawelle«
Foto: Raul Ariano / DER SPIEGELMit einem jungen Kernteam aus Toningenieuren, einem Akustiker und einem Musikpsychologen arbeitet er an einer künstlichen Intelligenz, die anhand von Körperdaten Melodien komponiert. Meine Kollegin und SPIEGEL-Asien-Korrespondentin Maria Stöhr hat sich das »KI-Musiktherapie-Labor« in Shanghai angeschaut.
Mit einem »EEG« erfassen Ren und sein Team Gehirnströme: Theta-, Beta-, Alpha-, Gamma- und Deltawellen, elektrische Signale, die zeigen, wie aktiv das Gehirn gerade ist. Denn Studien zufolge kann man anhand der Gehirnströme gewisse Schlüsse ziehen, wie es einem Menschen geht. Das macht sich Ren zunutze, um mithilfe der KI passende Musikkompositionen, perfekt angepasst an den individuellen Patienten, zu erstellen. Bald soll der Prototyp getestet werden: in einem Kinderkrankenhaus und in einer Uniklinik. Seine Methode soll in Musikkammern irgendwann nicht nur in Krankenhäusern zur Verfügung stehen, sondern auch an Flughäfen oder Bahnhöfen. »Es können doch alle ein Tool gebrauchen, um sich besser zu fühlen«, sagt er.
Test in der Musikkammer
Foto: Raul Ariano / DER SPIEGELEin Anfang ist es auf jeden Fall. Das schreibt auch meine Kollegin Maria, die die kleine Musiktherapie ausprobiert hat: »Lieber hier auf einen Therapieplatz warten als draußen in der kalten, rauen Welt.« Den ganzen Text lesen Sie hier.
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Besuch aus einem fernen Sternensystem
Erstmals seit Jahren durchkreuzt ein Komet aus einem fernen Sonnensystem das unsere: der Komet 3I/Atlas. Forschende der Universität Oxford schätzen das Alter des Kometen auf rund sieben Milliarden Jahre, also älter als unser gesamtes Sonnensystem. Es ist erst das dritte Mal, dass ein sogenannter interstellarer Komet für Erdenbewohner sichtbar ist. Forscherinnen und Forscher bekommen so wertvolle Einblicke über die Galaxie. »3I/Atlas ist ein Objekt aus einem Teil der Galaxie, den wir noch nie aus der Nähe gesehen haben«, sagte Astrophysiker Chris Lintott. Die ganze Meldung lesen Sie hier.
Die Milchstraße am Nachthimmel
Foto: Dr. Sebastian Voltmer / Voltmer / dpaMehr E-Autos in Deutschland
Die Deutschen lassen wieder mehr E-Autos zu. 55.741 batterieelektrische Pkw kamen im November hinzu, damit machten sie mehr als 22 Prozent aller Neuwagen aus. Im Vorjahresvergleich ist das eine deutliche Steigerung. Weitere mehr als 103.000 Fahrzeuge wurden mit Hybridantrieb in verschiedenen Varianten registriert, können also wahlweise elektrisch oder per Verbrennungsmotor angetrieben werden. Dies entsprach gut 41 Prozent aller Neuzulassungen. Reine Benziner (24,4 Prozent) und Diesel (11,8 Prozent) verlieren hingegen weiter an Bedeutung. Im Durchschnitt sank der offizielle CO₂-Ausstoß der Neuwagen um beachtliche 14,4 Prozent auf 98,3 Gramm pro Kilometer. Die ganze Meldung lesen Sie hier.
Sabber macht glücklich
Forschende in Japan haben herausgefunden, dass Hundesabber die Menschen glücklicher macht. Demnach gelangen bestimmte Bakterien aus dem Speichel des Hundes in den Körper des Besitzers oder der Besitzerin und rufen darin die guten Gefühle hervor. Die Wissenschaftler haben dies an Jungen und Mädchen im Alter von 14 Jahren beobachtet. Jene, die mit einem Familienhund aufwuchsen, waren psychisch gesünder als Altersgenossen ohne Hund. Und sie waren von Bakterien besiedelt, die aus dem Maul des Hundes stammen. Diese Bakterien wirken offenbar auf die Psyche der jungen Leute und könnten laut der Studie daran beteiligt sein, das »Wohlbefinden von mit Hunden lebenden Jugendlichen zu verbessern«. Den ganzen Text lesen Sie hier.
Hundespucke für mehr Glück
Foto: The Good Brigade / Getty ImagesOzonschicht erholt sich
Das Ozonloch über der Antarktis hat sich in diesem Jahr so schnell erholt wie seit Langem nicht. Auch die Ausdehnung des Ozonlochs blieb vergleichsweise gering. Forschende werten das als positives Zeichen für die Erholung der schützenden Ozonschicht. »Die frühe Schließung und die kleinere Ausdehnung sind ein ermutigendes Signal«, sagte CAMS-Direktorin Laurence Rouil. Fachleute sehen in der Entwicklung den Beleg, dass internationale Umweltabkommen wirken. »Es ist ein gutes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn die Welt gemeinsam handelt«, so Rouil. Die ganze Meldung lesen Sie hier.
Was gut ist – für Sie:
Berliner Techno lebt
Die Berliner Technokultur ist im vergangenen Jahr immaterielles Unesco-Kulturerbe geworden. Doch etliche Klubs mussten über die Jahre schließen, viele fürchteten ein Sterben des Nachtlebens. Aber es gibt gute Nachrichten für alle Feierbegeisterten. Der Hauptstadtszene wird jedoch langsam wieder Leben eingehaucht: Es eröffnen wieder neue Technoklubs. Mein Kollege Tobias Rapp schreibt: »In dieser Musik überlebt etwas, das größer ist als Melodie und Rhythmus. Die Improvisationsgabe und das Selbstbewusstsein eines Subkulturmilieus, das das Beste an Berlin ist – und weiter bleiben wird.« Den ganzen Text lesen Sie hier.
Heim-EM
Wir bekommen wieder eine Heim-EM! Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2029 wird in Deutschland ausgetragen. Deutschland wird somit nach 1989 und 2001 zum dritten Mal EM-Gastgeber sein. »Unser Ziel ist es, bei den Spielen über eine Million Zuschauer ins Stadion zu bringen«, hatte DFB-Präsident Bernd Neuendorf vor der Vergabe gesagt. Die ganze Meldung lesen Sie hier.
Jubel bei der deutschen Delegation
Foto: Denis Balibouse / REUTERSWeihnachtszeit im Job
Die Weihnachtszeit ist mittlerweile oft alles andere als besinnlich. Viele Menschen sind gestresst und zeigen das – auch am Arbeitsplatz. Mediatorin Stephanie Huber gibt Tipps, wie im Job wieder bessere Stimmung herrschen kann – trotz Weihnachtsstress. Wichtig ist, dass gemeinsam am Zusammenhalt gearbeitet wird und Ventile für den Druck gesucht werden. Klare Zielfestsetzungen für das Ende des Jahres helfen ebenfalls. Mehr Tipps lesen Sie hier.
Und sonst?
Möchte ich Ihnen die neue Ausgabe von SPIEGEL Geschichte ans Herz legen. Denn darin geht es dieses Mal um die Liebe. Meine Kollegin Annemarie de Boer hat etwa die Geheimbotschaften, die sich Liebende gegeben haben, aufgedröselt – aus der Zeit von Ludwig XIV. bis ins 20. Jahrhundert. Und Christoph Gunkel erzählt, wie es einige Mutige schafften, sich arrangierten Ehen zu entziehen und die wahre Liebe zu finden .
Die Macht der Liebe: Drama, Leidenschaften, Skandale – wie ein Gefühl die Welt veränderte
Keine Emotion schenkt größeres Glück, kaum eine kann so verletzen wie die Liebe. Aber haben die Menschen in vergangenen Epochen, in der Steinzeit und im Mittelalter etwa, das Gleiche empfunden? Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE erzählt, wie sich die Liebe im Lauf der Zeit veränderte.
In diesem Sinne – lieben Sie weiter!
Ihre Charlotte Lüder, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL

