SpOn 19.01.2026
14:43 Uhr

Jugendlicher soll Mädchen über Sadistennetz bedroht haben


Schriftzüge, die auf eine gewaltverherrlichende Onlinegruppierung hindeuten, haben Ermittler zu einem Jugendlichen in Württemberg geführt. Er soll eine 13-Jährige zu Kinderpornografie erpresst haben.

Jugendlicher soll Mädchen über Sadistennetz bedroht haben

Als Teil eines sadistischen Onlinenetzwerks soll ein Jugendlicher aus Württemberg ein junges Mädchen via Chat erpresst und bedroht haben. Der Junge stehe zudem in Verdacht, in Bad Herrenalb (Kreis Calw) Schmierereien mit dem Schriftzug »No Lives Matter« (Leben zählen nicht) hinterlassen zu haben. Das Gekritzel erinnere an die gleichnamige gewaltverherrlichende Gruppe, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe mit .

Zuletzt hatten das Landeskriminalamt und Innenminister Thomas Strobl (CDU) vor den Kanälen und Chatgruppen der weit gefassten sogenannten Terrorgram-Szene gewarnt. Ihr verbindendes Element sei weniger eine Ideologie als die Faszination für extreme Gewalt, Terror und gesellschaftlichen Zusammenbruch.

Bedroht und erpresst

Nach Angaben des bei der Generalstaatsanwaltschaft eingerichteten Cybercrime-Zentrums Baden-Württemberg soll der Jugendliche im vergangenen Jahr von einem damals 13-jährigen Mädchen aus dem europäischen Ausland kinderpornografische Inhalte zugeschickt bekommen haben. Er habe das Mädchen bedroht und aufgefordert, ihm weitere solche Aufnahmen zu übersenden. Dem Jugendlichen wird außerdem eine Straftat nach dem Waffengesetz vorgeworfen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, ohne weitere Details zu nennen.

Auch zu einem möglichen Haftbefehl und dem Wohnort des Jugendlichen wurden »mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen sowie die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten« keine Angaben gemacht. LKA und Generalstaatsanwaltschaft äußerten sich auch nicht zur Frage, ob die mutmaßlichen Drohungen erfolgreich waren.

Netzwerk ruft zu Selbstverletzungen auf

Nach Angaben der Ermittler wirbt das lose Onlinenetzwerk »No Lives Matter« für Straftaten und fordert ebenso zu Selbstverletzungen auf wie zum Missbrauch von Tieren. Das Ziel der Community sei die Abschaffung aller gesellschaftlichen Standards, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Nach früheren Angaben von Ermittlern gehört die Gruppe zum weltweit operierenden »Com-Netzwerk«. Gruppen in dem Netzwerk werden mit Erpressung, Kinderpornografie und extremer Gewalt in Verbindung gebracht.

In Rotterdam läuft derzeit ein Verfahren gegen einen Mann, der eingeräumt hat, »No Lives Matter« gegründet zu haben. Die niederländischen Ankläger sprechen von einer terroristischen Vereinigung, die zum Ziel hat, Jugendliche zu schweren Gewalttaten und Tötungsdelikten anzustacheln.

Mehr zum Thema

Ein ähnlicher Fall wird derzeit in Deutschland vor Gericht verhandelt. In Hamburg ist ein junger Mann angeklagt, der im Internet unter dem Namen »White Tiger« massiven psychischen Druck auf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 11 und 15 Jahren ausgeübt haben soll. Eines seiner Opfer soll er so in den Suizid getrieben haben .

mak/dpa