Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter hat erneut gegen seinen Nachfolger Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump ausgeteilt. Trumps Einmischung in die Planung der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer sei »das Schlimmste, was der Fifa passiert ist«, sagte Blatter in einem Interview mit Radio Canada . »Und es gibt keinen Widerspruch dagegen.«
Blatter sieht die Mitglieder des Verbands in der Pflicht. »Warum stehen wir nicht auf?«, fragte er. Er forderte sie dazu auf, »aufzustehen und zu sagen, dass das nicht in Ordnung ist. Wir haben noch Zeit, etwas zu unternehmen.« Die Idee eines Boykotts lehne der 89-Jährige allerdings ab.
Trump hatte zuletzt unter anderem damit gedroht, WM-Spiele aus demokratisch regierten Städten zu verlegen. Blatter kritisierte eine aus seiner Sicht »diffamierende Politik gegenüber allem Fremden« in den USA.
Auch die Fifa unter Infantino griff Blatter scharf an. Es sei inzwischen »schlimmer als früher«, sagte er. Dabei hatte es unter Blatters Führung zahlreiche Skandale in der Fifa gegeben. Trotzdem sagte er nun, dass »eine totale Diktatur« herrsche. Funktionären würden heute »Handschellen« angelegt; überall würden Menschen mit Geld oder Aufstiegsmöglichkeiten zum Schweigen gebracht.
Blatter hatte den Weltverband Fifa von 1998 bis 2015 angeführt und sah sich immer wieder mit Bestechungs- und Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Im Dezember 2015 sperrte ihn die Ethikkommission wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsführung für acht Jahre für alle Tätigkeiten im Fußball. Die Sperre wurde später auf sechs Jahre verkürzt. Blatter selbst zeigte sich keines Fehlverhaltens bewusst. »Ich bin mit mir im Reinen«, sagte er 2018.
Die Weltmeisterschaft soll in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden (11. Juni bis 19. Juli). Infantino pflegt eine enge Beziehung zu Trump. Vor allem die Verleihung des eigens geschaffenen »Fifa-Friedenspreises« an Trump sorgt bei Blatter für Unverständnis. Es sei nicht Aufgabe des Weltverbandes, einen solchen Preis zu vergeben, sagte er: »Niemand ist aufgestanden, um zu sagen, man solle diesem Zirkus ein Ende setzen.«
