Mit 56 Jahren begann Johanna Quaas mit dem Turnen. Sie entwickelte sich zu einer der besten Breitensportlerinnen der DDR, gewann unter anderem mehrfach das Turnfest. 2012 nahm dann das Guinnessbuch der Rekorde Quaas als älteste Turnerin der Welt auf. Nun feiert Deutschlands »Turn-Oma« ihren 100. Geburtstag. Zu ihrem ganz besonderen Ehrentag wartet Quaas in ihrer Wohnung in Halle an der Saale mit Kaffee und Gebäck auf alle, die gratulieren wollen.
»Ich bin froh, dass ich immer noch so mitmischen kann«, sagte das Geburtstagskind der Nachrichtenagentur dpa. »Hannchen«, wie sie von ihren Freunden genannt wird, geht mittlerweile nicht mehr an den Barren und Wettkämpfe turnt sie schon seit 2018 nicht mehr. »Turnen sieht im Alter einfach nicht mehr schön aus«, findet Quaas. Ihre Augen strahlen bis heute, wenn sie von ihrem Sport spricht.
Für ihr Alter ist Quaas ziemlich fit, keine Frage. Doch allmählich lässt ihr Gedächtnis nach und auch für besonders fitte Menschen wie sie wird der Alltag mit zunehmendem Alter beschwerlicher. Bewegung war und ist auch heute noch wichtig für Quaas. Und am Geburtstagstisch fasst sie bereits ein neues Ziel ins Auge: »110 ist das neue 100«, sagt sie laut und lacht.
Statt des Barrens ist heute das Balkongeländer ihr Turngerät. Einmal am Tag macht die Seniorin daran Liegestütze. »Damit wenigstens ein bisschen was von meinen Muskeln bleibt«, sagt sie. Die 16 Treppenstufen zu ihrer Wohnung forderten sie außerdem fast jeden Tag heraus, erzählt ihre Tochter, die sich gemeinsam mit ihren Schwestern um ihre »Mutti« kümmert.
Johanna Quaas hält sich fit: Balkongeländer als Turngerät
Foto: Heiko Rebsch / dpaDas Geheimnis des hohen Alters
Quaas wurde 1925 in Hohenmölsen bei Weißenfels – nicht weit von Halle – geboren. Anfang der Sechzigerjahre heiratete sie den Turner Gerhard Quaas und bekam drei Töchter: Petra, Martina und Kathrin.
Mit über 90 Jahren machte Quaas einen Fallschirmsprung, reiste durch Amerika und Asien, modelte und behielt dabei immer ihre Heimat und den turnerischen Nachwuchs im Blick. Lange unterrichtete sie Kinder, Jugendliche und Senioren.
Ist es nur Bewegung, die dabei hilft, dass man irgendwann auf ein so langes Leben zurückschauen kann? Nein, sagt Quaas. »Wichtig ist, dass man alles in Maßen macht«, sagt sie. Süßigkeiten, Alkohol – eigentlich einfach alles. »Das ist wichtig, das habe ich immer gemacht.«
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