Sein Traum war eine »Regenbogenkoalition« der vielen Armen und Ausgegrenzten. In »den Jahren zwischen Martin Luther King und der Wahl von Barack Obama« sei er die einflussreichste schwarze Persönlichkeit der USA gewesen, bilanziert nun die »New York Times« anlässlich des Todes von Jesse Jackson. Er wurde 84 Jahre alt.
In einer Erklärung seiner Familie heißt es, der langjährige Bürgerrechtsaktivist sei friedlich verstorben. Im vergangenen November war Jackson mit der Diagnose Progressive Supranukleären Blickparese (PSP), einer schweren degenerativen und unheilbaren Nervenerkrankung, in eine Klinik eingeliefert worden. Bereits 2017 hatte er eine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht.
Er wollte Präsident sein
Jackson kandidierte zweimal im Leben ohne reelle Chance für das Amt des US-Präsidenten. Erfolgreicher war er als Redner und Prediger. Die Demokratische Partei erinnerte er immer wieder daran, sich denen zuzuwenden, die wenig Respekt erfahren und am Rand stehen. Die Idee eines breiten Bündnisses zwischen verschiedenen Gruppierungen der Gesellschaft prägte die Bürgerrechtsbewegung und auch spätere politische Kampagnen bis hin zu »Black Lives Matter«.
Jackson und Martin Luther King 1966
Foto: Universal History Archive / Universal Images Group / Getty ImagesIn Nachrufen in den USA wird jetzt immer wieder an seine Rede beim Parteitag der Demokraten 1984 in San Francisco erinnert. »Mein Wahlkreis sind die Verzweifelten, die Verdammten, die Enterbten, die Missachteten und die Verachteten«, sagte Jackson da im Timbre eines Predigers, »sie sind unruhig und suchen Linderung«.
Als Obama es schaffte, hatte er vom Weinen rote Augen
Jackson selbst, der am 8. Oktober 1941 in Greenville, South Carolina, geboren wurde, blieb ebenfalls ein Leben lang unruhig. Bisweilen auch nervig. Kritiker erinnern gern an das Sendungsbewusstsein und Jacksons oft spürbaren Wunsch, auf großer Bühne zu stehen, um noch einmal ganz grundsätzlich zu werden.
Martin Luther King, die Vaterfigur der Bürgerrechtsbewegung, machte ihn zu einem Vertrauten. Noch Jahrzehnte später erinnerte Jackson gern an diese Nähe. Als Barack Obama 2008 schließlich erster Präsident der USA wurde, war Jackson in der Menge im Grant Park in Chicago zu sehen. Er hatte Tränen in den Augen.
