Der ehemalige Vorsitzende der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, will seiner alten Partei Konkurrenz machen. Am Samstag kam die von ihm gegründete neue Linkspartei Your Party (Deine Partei) zum Gründungsparteitag zusammen. Corbyn rief die Delegierten zu Geschlossenheit auf: »Als Partei müssen wir zusammenstehen und geeint sein, denn Spaltung und Uneinigkeit dienen nicht den Interessen der Menschen, die wir vertreten wollen«, sagte Corbyn der Nachrichtenagentur AFP zufolge in seiner Auftaktrede.
Doch schon der Parteitag in Liverpool im Nordwesten Englands war von Meinungsverschiedenheiten geprägt: Co-Gründerin Zarah Sultana boykottierte den ersten Tag des Treffens. Nach Angaben einer Sprecherin wollte sie dagegen protestieren, dass mehrere Mitstreiter von dem Parteitag ausgeschlossen wurden, weil sie bereits Mitglieder der weit links stehenden Socialist Workers Party sein sollen.
Antisemitismusvorwürfe und Parteiausschluss
Mitglieder einer anderen Partei hätten sich der neuen Partei anschließen wollen und damit gegen die »klar formulierten Mitgliedschaftsregeln« verstoßen, bestätigte ein Partei-Sprecher.
Gründungsparteitag in Liverpool
Foto: Darren Staples / AFPDer heute 76-jährige Corbyn hatte Labour als Vorsitzender in der Parlamentswahl 2019 geführt. Dort hat die Partei das schlechteste Ergebnis seit Jahrzehnten eingefahren. Daraufhin trat Corbyn als Parteichef zurück. 2020 schloss Labour Corbyn aus, weil er sich weigerte, die Erkenntnisse eines Untersuchungsausschusses zu akzeptieren, wonach Antisemitismus in den Reihen der Labour-Partei unter seiner Führung überhandgenommen hatte.
Bei der Parlamentswahl im Juli 2024 wurde Corbyn als unabhängiger Kandidat ins Unterhaus gewählt. Auch die 32-jährige Ex-Labour-Abgeordnete Sultana ist nun unabhängige Abgeordnete. Seit Corbyn und Sultana im Juli die Gründung ihrer neuen Partei angekündigt hatten, gerieten sie mehrfach aneinander. Zwei von vier unabhängigen Abgeordneten, die ursprünglich mitmachen wollten, zogen sich wegen der Differenzen wieder zurück.


