Jens Spahn wird wegen seiner verständnisvollen Äußerungen zu Donald Trumps Annexionsplänen für Grönland scharf kritisiert. Der Koalitionspartner SPD wirft dem CDU-Politiker sogar Wohlwollen für den Weg des US-Präsidenten vor. »Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt bei Spahn durchaus Sympathien für den Kurs von Donald Trump«, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Adis Ahmetović dem »Stern« . »Dieses Verhältnis muss die Union für sich intern klären.«
In einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« hatte Spahn Verständnis für Trumps Griff nach Grönland geäußert. »Wenn man die Lage Grönlands auf dem Globus anschaut, sind die von den USA gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar«, sagte Spahn darin. Es gehe darum, Grönland gegen andere Mächte wie Russland zu schützen. »Und ja, da hat Donald Trump einen Punkt.«
Ahmetović sieht die SPD hingegen an der Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): »Wir unterstützen den außenpolitischen Kurs der Bundesregierung, die klare Kante gegen Trumps Erpressungsversuche und stehen weiter solidarisch an der Seite von Dänemark und Grönland.«
Adis Ahmetović
Foto: Friedrich Bungert / SZ Photo / picture allianceIn einer gemeinsamen Erklärung Deutschlands mit Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien betonten die acht Länder, »in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemark und der Bevölkerung Grönlands« zu stehen. Man sei bereit, in einen Dialog zu treten – allerdings auf Grundlage der Prinzipien der Souveränität und territorialen Integrität. »Wir sind entschlossen, unsere Souveränität zu wahren.« Merz postete ein Statement mit ähnlichem Wortlaut in den sozialen Medien.
Spahn warnte Europa vor ernsthaften Reaktionen auf Trumps Annexionspläne. Auf die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump brauche es eine »besonnene Antwort«. Der Unionsfraktionschef argumentierte, zwar müsse man nun »klar und deutlich« mit den USA reden, aber keine Seite habe etwas davon, »wenn wir eskalieren«. Es gebe viele gemeinsame Sicherheitsinteressen mit den USA, etwa mit Blick auf die Ukraine. »Wir brauchen einander, und das sollten wir uns in den Gesprächen immer wieder deutlich machen.«
