Die Auseinandersetzung innerhalb der ehemals gegen die Huthis im Jemen geschmiedeten Allianz zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) spitzt sich weiter zu.
Der von Saudi-Arabien unterstützte Präsidentschaftsrat des Jemen hat die VAE nun aufgefordert, binnen eines Tages alle verbündeten Einheiten aus dem Land abzuziehen. »Alle emiratischen Truppen müssen sich innerhalb von 24 Stunden von jemenitischem Hoheitsgebiet zurückziehen«, sagte der Präsidialrats-Vorsitzende Raschad al-Alimi in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.
Das jahrelange Bündnis der Regierung und Saudi-Arabiens mit den Emiraten im Kampf gegen die Huthis ist damit faktisch beendet. Das Ultimatum bedeutet darüber hinaus eine Eskalation des bereits länger schwelenden Streits zwischen den Verbündeten.
Riad und Abu Dhabi kämpften lange gemeinsam gegen die von Iran unterstützten Huthis, konkurrieren in der Region aber zugleich um Einfluss und Ressourcen. Auch im Sudan-Konflikt unterstützen die beiden Staaten unterschiedliche Seiten.
Separatisten verzeichneten Geländegewinne
Die Separatisten des sogenannten Südlichen Übergangsrats (STC), die von den Emiraten unterstützt werden, streben einen unabhängigen Süd-Jemen an. Sie hatten Anfang Dezember große Gebiete eingenommen, darunter die an Saudi-Arabien grenzende ölreiche Provinz Hadramaut sowie al-Mahra. Die Geländegewinne setzen Jemens Regierung und Riad unter Druck.
Saudi-Arabien hatte als Reaktion zuletzt Luftangriffe auf Stellungen der STC geflogen. Am Morgen wurden dabei offenbar Ziele im Hafen Mukalla, der am Golf von Aden liegt, getroffen. Man habe dort einen »begrenzten Militäreinsatz« durchgeführt, teilte das von Saudi-Arabien angeführte Bündnis mit.
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Die Attacke habe auf Waffen und Militärfahrzeuge gezielt, die von zwei Schiffen im Hafen entladen worden seien. Mutmaßlich sollten die Separatisten dort von den Emiraten Waffen und andere militärische Ausrüstung erhalten.
Landesweiter Ausnahmezustand für 90 Tage
Ein rasches Ende der Feindseligkeiten scheint bislang nicht in Sicht. Der Präsidialrats-Vorsitzende Alimi verkündete am Vormittag einen landesweiten Ausnahmezustand für 90 Tage. Für 72 Stunden gelte eine Luft-, Land- und Seeblockade für den Jemen. De facto gilt die Regelung nur für den südlichen und östlichen Jemen – der Norden samt der Hauptstadt Sanaa wird von der Huthi-Miliz kontrolliert.
Saudi-Arabiens Außenministerium wandte sich auch direkt an die Emirate. Die durch die VAE unterstützten Vorstöße der Separatisten seien »extrem gefährlich«, teilte Riad mit. Jede Bedrohung der nationalen Sicherheit Saudi-Arabiens sei eine »rote Linie« und das Königreich werde alle notwendigen Schritte unternehmen, um solche Bedrohungen aus dem Weg zu räumen.
Die VAE zeigten sich über das Vorgehen Saudi-Arabiens in einer Stellungnahme »enttäuscht« und riefen zu »Zurückhaltung und Besonnenheit« auf.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war – in Übereinstimmung mit dem Wortlaut des jemenitischen Präsidialrats-Vorsitzenden al-Alimi – unter anderem in der Überschrift von emiratischen »Truppen« die Rede. Tatsächlich dürfte sich die Aufforderung insbesondere auf die von den VAE unterstützten Separatisten beziehen. Die Emirate selbst sind offiziell nicht mehr militärisch im Jemen aktiv.
