SpOn 27.12.2025
10:19 Uhr

Jeffrey Epstein: Warum reiste er heimlich nach Wien?


US-Akten zufolge hielt sich Jeffrey Epstein kurz vor seiner Verhaftung 2019 mit drei Frauen in der Alpenrepublik auf. Ebenso rätselhaft: Der amerikanische Finanzier besaß einen österreichischen Pass – mit falschem Namen.

Jeffrey Epstein: Warum reiste er heimlich nach Wien?

Am letzten Adventswochenende veröffentlichte das US-Justizministerium neues Material zum Pädokriminellen Jeffrey Epstein. Die gefilterte Auswahl der freigegebenen Dokumente überraschte nicht: wenig von US-Präsident Donald Trump, viel von Amtsvorgänger Bill Clinton und anderen Prominenten. Zahlreiche Passagen und Fotos sind geschwärzt, und eine zunächst freigegebene Aufnahme, auf der auch ein Bild von Trump erkennbar war, wurde nachträglich gelöscht  (und später erneut zur Verfügung gestellt).

Gefälschter Pass von Epstein mit falschem Namen: Für mehrere Reisen verwendet

Gefälschter Pass von Epstein mit falschem Namen: Für mehrere Reisen verwendet

Foto: Department of Justice

Es gibt einen nun bekannt gewordenen Seitenaspekt, über den der »Standard« zuerst berichtete : Epstein war noch 2019 diskret nach Österreich gereist – wenige Monate vor seiner Verhaftung und seinem Tod in einer Gefängniszelle in New York. Als registrierter Sexualstraftäter musste Epstein Reisebewegungen der Regierung der Virgin Islands melden. In dem karibischen US-Außengebiet befindet sich die Insel, die der Multimillionär besaß und zum Tatort machte: Dort vergewaltigte er Mädchen und Frauen.

Mindestens zwei heimliche Trips nach Wien und Monaco

In dem nun freigegebenen Dokument heißt es, Epstein habe im März 2019 zwar eine Reise nach Frankreich angemeldet. Aber dann sei »durch Strafbehörden entdeckt worden«, dass er heimlich nach Monaco und Wien weitergereist sei. In einem anderen Papier wird hervorgehoben, der Investmentbanker sei »mindestens bei zwei Gelegenheiten« heimlich an beide Orte gereist. Was wollte Epstein in der österreichischen Hauptstadt?

Eine mögliche Antwort hat mit einem ehemaligen Berater von US-Präsident Donald Trump zu tun. Am 20. März 2019 fragte Epstein den Rechts-außen-Strategen Stephen Bannon, ob er ihn und »Micro« in Wien treffen wolle, wie der »Standard« herausfand . In dieser Phase wollte Bannon europaweit eine radikal rechte Bewegung aufbauen.

Es gibt noch mehr Rätsel: Nach Epsteins Verhaftung fanden die Behörden in seinem New Yorker Anwesen einen österreichischen Reisepass . Darin: ein Foto mit seinem Konterfei, der falsche Name Marius Robert F., ein Wohnort in Saudi-Arabien. Dem SPIEGEL und »Standard« liegen Fotos des Reisepasses vor . Das längst abgelaufene Dokument stammt aus den Achtzigerjahren. Es scheint für mehrere Reisen verwendet worden zu sein.

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Schon im November tauchte in bereits freigegebenen Epstein-Akten ein österreichischer Polit-Akteur auf. In E-Mails aus dem Jahr 2018 unterhielten sich Epstein und der Trump-Berater Bannon über Sebastian Kurz, den damaligen Bundeskanzler. »Kurz wants to meet you« , schrieb Epstein demnach an Bannon, zu Deutsch: »Kurz will dich treffen.« Bannon reagierte positiv auf die Idee.

Es gibt keine Hinweise, dass Sebastian Kurz von Epsteins Offerten wusste oder er einem der beiden Männer tatsächlich jemals begegnete. Ein Kurz-Sprecher bezeichnete die Vorstellung als »absurd« und bestritt  jedwede Kenntnis solcher Pläne.

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Wie der Name von Kurz in die Epstein-Korrespondenz geriet, wird vielleicht nie geklärt werden. Dass der Sexualstraftäter kurz vor seiner Verhaftung nach Wien reiste, ist gesichert: Epsteins Maschine landete am 22. März 2019 in Wien. Begleitet wurde er von »drei weiblichen Passagieren«, wie aus einer E-Mail hervorgeht, die dem SPIEGEL und dem »Standard« vorliegt . Demnach besuchte er ein bekanntes Kaffeehaus in der Innenstadt. Besonders lange blieb der Mann aus New York nicht in Wien. Nach nur fünf Stunden verließ Epsteins Jet den österreichischen Boden wieder.

Podcast »Inside Austria« über filmische Aufarbeitung von NS-Verbrechen

1995 kommt ein Spielfilm in die österreichischen Kinos, der eine lange verdrängte Geschichte ins Zentrum rückt. »Hasenjagd – vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen« heißt die Produktion des Regisseurs Andreas Gruber. Zehn Jahre lang hat er dafür recherchiert, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragt und um Förderungen gekämpft. Immer wieder wird ihm gesagt: Diese Geschichte interessiere heute niemanden mehr.

Gemeint ist eines der schwersten Kriegsverbrechen auf österreichischem Boden. Nach einer Massenflucht aus dem Konzentrationslager Mauthausen werden im Februar 1945 mehr als 400 Häftlinge von der SS und Teilen der lokalen Bevölkerung verfolgt und ermordet – eine Menschenhatz, die sogenannte Mühlviertler Hasenjagd.

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Gruber entscheidet sich dennoch, den Film zu realisieren. Im Zentrum steht eine jener wenigen Familien, die geflohenen KZ-Häftlingen geholfen haben. Er arbeitet eng mit Überlebenden und ihren Angehörigen zusammen. Der Film wird 1995 zum meistgesehenen Kinofilm des Jahres in Österreich.

In dieser Interviewfolge blickt Andreas Gruber auf die Widerstände während der Produktion zurück – und darauf, wie die Arbeit an der »Hasenjagd« nicht nur seine Karriere, sondern auch seinen Blick auf Österreichs Umgang mit der NS-Vergangenheit nachhaltig geprägt hat.

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Kommen Sie wohlbehalten ins neue Jahr!

Herzliche Grüße aus Wien schickt

Oliver Das Gupta
Autor für SPIEGEL und »Standard«


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