Mehr als drei Millionen Seiten Dokumente oder mehr sollen sich in den Akten zum Fall Jeffrey Epstein finden. Vergangene Woche tauchte darin auch der Scan eines Presseausweises auf – ausgestellt offenbar in Deutschland auf den Namen von Epsteins langjähriger Vertrauter Ghislane Maxwell. Der SPIEGEL hatte über über das Dokument berichtet und am Freitag bei der darauf angegebenen Gewerkschaft Ver.di nachgefragt. Die zeigte sich zunächst ratlos. Und teilt nun mit, dass es sich dabei »sicher um eine Fälschung« handele.
Der Scan eines internationalen Presseausweises (IPC – International Press Card) sei nicht von der zu Ver.di gehörenden Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) ausgestellt worden, so der zuständige Bereichsleiter der Gewerkschaft. Die Dokumentennummer weiche von anderen im Jahr 2015 herausgegebenen Ausweisen ab, heißt es. »Wir gehen deshalb von einer Fälschung der IPC aus. Wir behalten uns wie in solchen Fällen üblich rechtliche Schritte vor.«
Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell auf einer weiteren Aufnahme
Foto: Capital Pictures / IMAGOVergangene Woche hatte die dju erklärt, man mache grundsätzlich keine Angaben dazu, wer Mitglied sei oder war und wer nicht. Unterlagen zu Anträgen würden aus Datenschutzgründen »nur zweckgebunden gespeichert und regelmäßig nach dem Jahr der Antragstellung vernichtet«.
Auf weitere Nachfrage des SPIEGEL hieß es nun, die Ausweisnummer sei »im 2. Quartal 2011« verwendet worden. »Wir können nicht mehr recherchieren, an wen eine Ausstellung stattgefunden hat, weil aufgrund der Löschpflichten Daten dazu nicht mehr vorliegen.«
Wie und durch wen die Epstein-Vertraute offenbar das Dokument erhielt, ist allerdings auch damit weiter ungeklärt.
Zu 20 Jahren Haft verurteilt
Maxwell ist eine zentrale Figur im Missbrauchsfall um den amerikanischen Finanzier Jeffrey Epstein. Sie rekrutierte junge Frauen, teils Minderjährige, für den Sexualstraftäter. Ein US-Gericht verurteilte sie unter anderem wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung zu 20 Jahren Freiheitsstrafe. Bei einer Anhörung vor dem US-Kongress verweigerte sie am Montag die Aussage.
Einen Presseausweis erhalten Journalistinnen und Journalisten, um sich Zutritt zu Behörden und Ministerien zu verschaffen. Auch bei Veranstaltungen oder Notfällen werden Journalisten mit Presseausweis vor Ort vorgelassen.
- Ghislaine Maxwell: Epstein-Komplizin hatte Presseausweis aus Deutschland Von Daniel Laufer
- Korruptionsverdacht gegen Ex-Botschafterin: Norwegische Justiz ermittelt wegen Epstein-Akten gegen Diplomatenpaar
- Morgan McSweeney: Die Epstein-Affäre bringt den mächtigsten nicht gewählten Mann im Vereinigten Königreich zu Fall Von Christoph Giesen, London
Maxwell war im Jahr 2022 verurteilt worden, weil sie eine zentrale Rolle beim Aufbau des Missbrauchsrings gespielt hatte, den der Multimillionär Epstein jahrelang aus New York betrieben hatte. Dem Missbrauchsring fielen Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer. 2019 starb Epstein mit 66 Jahren im Gefängnis, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können.
Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelgeschichte über das internationale Netzwerk des Sexualstraftäters.
