Das US-Justizministerium hat am Freitagabend begonnen, Dokumente aus den Ermittlungen zum gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. Tausende Dokumente und Fotos sind auf der Website des Ministeriums einsehbar. Unter den ersten hochgeladenen Dateien sind zum Teil geschwärzte Dokumente der US-Bundespolizei FBI. Konkrete Inhalte der Akten werden allerdings wohl wegen der Masse an Dokumenten erst in den kommenden Tagen bekannt.
Die Trump-Regierung verfehlte allerdings nach eigenen Angaben die gesetzliche Frist zur Freigabe nahezu aller Akten, wie es der Kongress gefordert hatte. Wie viele der Akten nun öffentlich gemacht wurden, ist noch unklar. Generalstaatsanwalt Todd Blanche sagte in einem Interview mit Fox News, er erwarte »mehrere Hunderttausend« Dokumente am Freitag und weitere in den kommenden Wochen. Jede einzelne Seite, die veröffentlicht werde, müsse so gestaltet sein, dass die Identität der Opfer geschützt werde.
Die oppositionellen Demokraten warfen der Trump-Regierung einen »Gesetzesbruch« und versuchte Vertuschung in der Epstein-Affäre vor. Sie prüfen nun juristische Schritte. Kritik kam aber auch aus Trumps Lager. Mehrere Abgeordnete der Republikaner äußerten sich enttäuscht über die eigene Regierung. Dazu gehörten die Abgeordneten Marjorie Taylor Greene und Thomas Massie.
Mehr als 1200 Opfer
Bei den freigegebenen Unterlagen des Justizministeriums, der Staatsanwaltschaft und des FBI geht es um die mehr als 20-jährigen Ermittlungen gegen Epstein. Dokumente zu seiner damaligen Vertrauten und Komplizin Ghislaine Maxwell sollen ebenfalls veröffentlicht werden. Maxwell wurde im Zuge des Skandals verurteilt und sitzt im Gefängnis. Die Dokumente sollen auch Aufschluss über die genauen Todesumstände Epsteins geben.
Das US-Parlament hatte dem Justizministerium eine Frist bis zum heutigen Freitag zur Freigabe vieler Akten gesetzt. Das Ganze basiert auf einem von US-Präsident Donald Trump im vergangenen Monat auf Druck des Kongresses unterschriebenen Gesetz.
Der Fall Epstein beschäftigt die Öffentlichkeit seit vielen Jahren. Der einflussreiche US-Multimillionär hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Über mehrere Jahre hinweg soll Epstein minderjährige Mädchen etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. Generalstaatsanwalt Blanche zufolge sind mehr als 1200 Opfer in den Akten dokumentiert.
Epstein starb in Gefängniszelle
Bereits vor etwa 20 Jahren landete der Fall vor Gericht. Zu bestimmten Vorwürfen bekannte Epstein sich schuldig. Jahre später wurde der Fall nochmals aufgerollt und der Multimillionär erneut festgenommen. Noch bevor ein mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Finanzier 2019 mit 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt.
Epsteins plötzlicher Tod und seine vielfältigen Kontakte in die Welt der Reichen und Mächtigen lösten Spekulationen über die mögliche Verwicklung einflussreicher Kreise aus. Vor seiner Festnahme waren Prominente und Milliardäre bei ihm ein und aus gegangen – auch US-Präsident Donald Trump verbrachte Zeit mit Epstein, wie mehrere Party-Videos belegen. Zu dem Fallkomplex gibt es umfangreiche Akten, aus denen bislang nur Auszüge bekannt waren.
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Vor seinem Wahlsieg im November 2024 hatte Trump versprochen, die Epstein-Akten vollständig offenzulegen. Weil er dieses Versprechen seit seinem Amtsantritt im Januar jedoch nicht eingelöst hat, geriet der Präsident unter wachsenden Druck – auch aus den Reihen seiner eigenen Partei der Republikaner.
Trump gehörte über Jahre zu Epsteins Umfeld, brach nach eigenen Angaben dann aber mit ihm. Es gibt auch keine Hinweise auf eine Verwicklung Trumps in den Skandal.
Einige Stunden vor der Ankündigung veröffentlichten Demokraten bereits neue Fotos aus den Akten. Darauf sind zahlreiche prominente Personen zu sehen, darunter Microsoft-Gründer Bill Gates, der eine junge Frau im Arm hält. Mehr dazu lesen Sie hier.
