Er vernetzte die Reichen und Mächtigen dieser Welt – da durfte Wladimir Putin nicht fehlen: Laut dem kürzlich vom US-Justizministerium veröffentlichten Datensatz bemühte sich der verstorbene Sexualstraftäter Jeffrey Epstein über mehrere Jahre darum, einen Draht zum russischen Staatschef aufzubauen.
Wie etwa CNN und die »Washington Post« berichten, versuchte Epstein sich dem Kremlchef über hochrangige russische Beamte anzunähern, um ein Treffen mit Putin zu arrangieren. Dazu gehörte etwa der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Witali Tschurkin.
Epstein traf sich regelmäßig mit Tschurkin in New York, zudem bot er an, Tschurkins Sohn Maxim bei der Suche nach einem Job bei einer Vermögensverwaltungsfirma in New York zu helfen.
Jeffrey Epstein mit seiner Vertrauten Ghislaine Maxwell (l.) und US-Präsident Bill Clinton (r.) 1993 in Washington
Foto: Ralph Alswang / The White House / Avalon / IMAGOEin Jahr nach dem plötzlichen Tod von Tschurkin im Februar 2017 suchte Epstein dann den Kontakt zu Außenminister Sergej Lawrow. Am 24. Juni 2018 schrieb Epstein eine E-Mail an den norwegischen Politiker Thorbjørn Jagland, damals Generalsekretär des Europarats: »Ich denke, Sie könnten Putin vorschlagen, dass Lawrow sich mit mir unterhält.«
Jagland antwortete, dass er sich am folgenden Montag mit Lawrows Assistent treffen und dies vorschlagen werde. Epstein antwortete: »Tschurkin war großartig. Er hat Trump nach (unseren, Red.) Gesprächen verstanden. Es ist nicht kompliziert. Man muss ihn sehen, um etwas zu bekommen, so einfach ist das.«
Hatte Epstein Kontakt zum russischen Geheimdienst?
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte diese Woche in einer Kabinettssitzung, dass sein Land eine Untersuchung zu Epsteins möglichen Verbindungen zum russischen Geheimdienst einleiten werde.
»Immer mehr Hinweise, immer mehr Informationen und immer mehr Kommentare in der internationalen Presse deuten darauf hin, dass dieser beispiellose Pädophilieskandal von russischen Geheimdiensten mit organisiert wurde«, zitiert CNN Tusk.
»Ich muss Ihnen nicht sagen, wie ernst die immer wahrscheinlicher werdende Möglichkeit, dass russische Geheimdienste diese Operation mit organisiert haben, für die Sicherheit des polnischen Staates ist«, fügte Tusk hinzu. »Das kann nur bedeuten, dass sie auch kompromittierendes Material gegen viele heute noch aktive Staats- und Regierungschefs besitzen.«
- Abgehoben, käuflich, schamlos: Der Epstein-Club – Innenansichten einer globalen Elite Von Julia Amalia Heyer, Washington
- Großbritannien und die Epstein-Akten: Der »Fürst der Finsternis« wird zur Gefahr für Premier Starmer Von Christoph Giesen, London
- Ex-Kulturminister Frankreichs: Jack Lang gibt wegen Epstein-Kontakt Leitung von renommiertem Kulturinstitut ab
Der Kreml wies die Spekulationen zurück. Die Vorwürfe über Verbindungen zwischen Epstein und russischen Geheimdiensten würden »nichts als Spott verdienen« und keiner ernsthaften Stellungnahme bedürfen, zitierte die »Washington Post« einen Sprecher.
Aus den Dokumenten geht nicht hervor, ob Epstein jemals erfolgreich Kontakt zum russischen Staatschef aufgenommen hat. Putins Name taucht in den veröffentlichten Epstein-Akten mehr als tausendmal auf.

