Distanz, das scheint das wichtigste Anliegen des britischen Thronfolgers William und seiner Frau Catherine zu sein, wenn es um die Enthüllungen um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dessen illustre Bekannte geht. Denn unter ihnen ist ein Mitglied der königlichen Familie: Andrew Mountbatten-Windsor, Bruder von King Charles III.
Das Paar veröffentlichte eine Erklärung, in der es sein Mitgefühl für die Opfer von Jeffrey Epstein zum Ausdruck bringt. Die bei den Briten äußerst beliebten William und Catherine sind demnach entsetzt über die bisherigen Berichte zu den mehr als drei Millionen Seiten Dokumenten, die Anfang dieses Monats vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden.
»Ich kann bestätigen, dass der Fürst und die Fürstin von Wales zutiefst besorgt über die anhaltenden Enthüllungen sind«, erklärte ein Sprecher des Kensington-Palasts. »Ihre Gedanken sind weiterhin bei den Opfern.«
Mit der Erklärung, die vor Williams dreitägiger Reise nach Saudi-Arabien veröffentlicht wurde, reagiert die Monarchie auf die eskalierende Krise um den ehemaligen Prinzen Andrew, dem bereits im Oktober nach früheren Enthüllungen über seine Beziehung zu Epstein seine königlichen Titel aberkannt wurden.
Der König zwang Mountbatten-Windsor in der vergangenen Woche, sein langjähriges Zuhause in der Royal Lodge in der Nähe von Windsor Castle zu verlassen. Charles III. beschleunigte damit einen Umzug, der erstmals im Oktober angekündigt worden war, aber erst später in diesem Jahr abgeschlossen werden sollte.
Mountbatten-Windsor lebt nun auf dem Anwesen des Königs in Sandringham im Osten Englands. Er wird vorübergehend im Wood Farm Cottage wohnen, während sein ständiges Zuhause auf dem Anwesen renoviert wird.
Hat sich die Queen mitschuldig gemacht?
Der ehemalige Prinz Andrew soll jahrelang mit Epstein befreundet gewesen sein. Er blieb auch nach dessen Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Jahr 2008 mit dem amerikanischen Finanzier in Kontakt.
Epstein stand unter Verdacht, Tausende Minderjährige und junge Frauen prostituiert und an teils prominente Kunden vermittelt zu haben. Er wurde 2008 zu 18 Monaten Haft verurteilt, weil er minderjährige Mädchen missbraucht hatte. 2019 wurde er erneut festgenommen, unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Epstein starb in seiner New Yorker Gefängniszelle; laut offiziellen Angaben beging er Suizid.
Andrew Mountbatten-Windsor hat sich für seine früheren Verbindungen zu Epstein entschuldigt. Er bestritt jedoch jegliches Fehlverhalten. Die fortgesetzten Enthüllungen setzen ihn allerdings weiter unter Druck: Er wurde aufgefordert, vor einem US-Untersuchungsausschuss auszusagen.
In Großbritannien mehren sich zudem die Stimmen, die fordern, Mountbatten-Windsor strafrechtlich zu verfolgen. Auch die allzu große Nachsichtigkeit der verstorbenen Queen Elizabeth II. gegenüber ihrem umstrittenen Sohn wird zunehmend hinterfragt; die britische Monarchie ist – mal wieder – in der Bredouille.
Hat Andrew Regierungsdokumente an Epstein weitergeleitet?
Unter den unlängst veröffentlichten Unterlagen sind E-Mails, in denen der Bruder des heutigen Königs Charles III. Epstein zu »privaten Gesprächen« in den Buckingham-Palast einlädt. Weitere E-Mails legen zudem nahe, Mountbatten-Windsor könne im Jahr 2010 offizielle britische Handelsdokumente an Epstein weitergegeben haben, die er im Zusammenhang mit einer Reise als Regierungsbeauftragter erhalten hatte. Würde sich dies bestätigen, hätte er Vertraulichkeitsvorschriften missachtet. Derzeit untersucht die Polizei entsprechende Vorwürfe.
Es gibt zudem Fotos, die zeigen, wie Mountbatten-Windsor auf allen vieren über einer Frau kniet. Der Kontext dieser Bilder ist unklar, man weiß weder wann und von wem sie aufgenommen wurden – noch, wer die Frau ist, die darauf abgebildet ist.
Andrew Mountbatten-Windsor: Foto aus den Epstein-Dokumenten
Foto: Jam Press / IMAGOAllerdings scheinen die neuen Unterlagen nahezulegen, dass ein berüchtigtes Foto von Mountbatten-Windsor und seiner Anklägerin Virginia Giuffre authentisch ist. Andrew hatte behauptet, das Foto sei manipuliert worden, er habe Giuffre nie getroffen. Giuffre bestritt das und erklärte, sie sei als Teenagerin zum Sex mit dem Royal gezwungen worden.
Mountbatten-Windsor hat diese Behauptung stets zurückgewiesen und 2022 eine außergerichtliche Einigung mit Giuffre erzielt. Diese enthielt weder ein Schuldeingeständnis noch eine Entschuldigung.
Giuffre starb im April 2025 in ihrer Heimat Australien. Laut ihrer Familie beging sie Suizid.
Premierminister Starmer in Bedrängnis
Derweil haben die Erschütterungen durch die neuen Akten auch die britische Regierung erreicht: Am Montag trat Tim Allan, der Kommunikationsdirektor von Premierminister Keir Starmer, zurück. Erst am Sonntag hatte Starmers wichtigster Berater Morgan McSweeney seinen Hut genommen. Hintergrund ist die interne Unterstützung für Peter Mandelson, den Starmer trotz dessen bekannter Verbindungen zu Epstein zum Botschafter in den USA ernannt hatte.
Allan erklärte, er wolle den Weg für ein neues Team in der Downing Street freimachen. Der Verlust zweier hochrangiger Mitarbeiter kurz hintereinander gilt als schwerer Schlag für Starmer, der versucht, einen Schlussstrich unter die Affäre zu ziehen.Thronfolger
